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Mia Nikos


30. September 1938 *************************** Er macht sie hübsch, er richtet sie mit einem Aufwand her, die an Perfektion grenzt. Er dreht einfach die Zeit zurück. Für Maria aus einer Spezialeinheit des 3. Reiches und ihren Partner Jacques beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, als sie zu einem Tatort gerufen werden, denn sie wissen: Bei diesem einem Mord wird es der Täter nicht belassen. Und welchen Eindruck hinterlässt dieses Morden in der Gesellschaft in Zeiten, die turbulenter nicht sein können?


Thriller/Mystère Interdit aux moins de 18 ans. © Liegen ausschließlich bei mir. Verwendete Zitate, Auszüge aus Lexika werden entsprechend gekennzeichnet und mit einer Quellenangabe verdeuen

#Psyche #Mord #Hass #Freundschaft #Krieg #Nationalsozialismus #Gewalt
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Prolog

Irgendwo am Rande von Dresden

***********************************

Die meisten Menschen mieden diesen Ort.

Zurecht, wenn man bedachte, welche Gestalten in den Seitenstraßen herum lungerten, ihre glühenden Glimmstängel in den Mundwinkeln und der Kleidung, die aussah, als hätte man sie noch nie gewaschen.

Und Schuhe trugen die meisten von ihnen ebenso wenig. Sie zogen mit ihren nackten Zehen Linien in den trockenen Boden, wenn die Hitze des Sommers die Erde zu einem trockenen Haufen Staub verwandelt hatte oder durch den schwarzen Schlamm, wenn ergiebige Regengüsse auf sie niederprasselten.

Doch die Bettler und Kriminellen waren nicht der einzige Grund, warum es gefährlich war, sich in diesen Straßen herumzutreiben. Für den eigenen Ruf, für das kostbare Leben.

Jeder wusste, dass hier mehr Leichen übereinander gestapelt abtransportiert worden waren, als Lebende.

Und noch mehr Leichen lagen sicherlich im Keller dieses Hauses.

Ein halb zerfallener Holzzaun grenzte die Straße vom Rest des Grundstücks ab, führte über einen dunklen Hof. Unkraut wuchterte an allen Ecken und Kanten, zeigte nut vereinzelt die Umrisse von einem von Füßen zertrampelten Pfad, der direkt auf die Eingangstür zusteuerte.

Das Haus an sich, erweckte von außen sofort den Eindruck, dass es nicht mehr lange dauern könnte, bis es wie ein wackliges Kartenhaus in sich zusammenfiel. Die Ziegel waren mit einem eigenartigen Grün überzogen und dort wo sich kleine Pflanzenstängel durch die einst kleinen Ritzen gedrängt hatten, klafften nun größere Löcher, in denen die Kälte und Feuchte eindrang.

Kaputte Fenster bildeten an den beiden Seitenwänden eine gerade Linie, als hätte jemand die Stellen ausgemessen, bevor man sie mit einem schweren Gegenstand eingeschlagen hatte.

Die Fenster, die an der Vorderfront noch einigermaßen intakt schienen, waren teilweise mit Holzbrettern vernagelt.

Als eine dunkel gekleidete Gestalt durch die Öffnung im Zaun schlüpfte, war sein rasselnde Atem das einzige Geräusch, das in der sternenklaren Nacht zu hören war. Dennoch wusste er, dass es hinter den Mauern alles andere als leise zuging.

Mit vorsichtigen Schritten näherte er sich einem der Fenster und presste die Nase gegen das nasse und nach Moder stinkende Holz.

Jedoch war nichts zu sehen, aber er wusste, dass sie hier war.

Mindestens drei Mal in der Woche kam sie hier, setzte sich an einen der Spieltische und verjubelte das Geld, dass sie sich jahrelang mühselig verdient hätte.

Nein, er musste es nicht sehen, er musste nicht einmal hineingehen.

Sie würde zu ihm kommen.

So wie die anderen.

Freiwillig, nichtsahnend.


Im Inneren des Casinos trafen die übelsten Gestalten der Unterwelt, sowie die noblen und vom Leben gelangweilten Aristokraten, Geschäftsmänner aufeinander.

Die einen wollten das schnelle Geld, die anderen sehnten sich nach dem Adrenalinstoß, der heiß durch ihre Adern schoss, um sich schließlich in ihren Lenden zu sammeln.

Die Explosion dabei herauszuzögern war dann der eigentliche Kick.

Heute jedoch hatten sich auch eine andere Gruppe eingefunden. Eine, deren Absichten von Grund auf böser Natur waren, die einer "privaten" Armee des geliebten Führers angehörten und in inbrünstigten Tonlagen verbreiteten, was sie mit Juden und anderem ausländischen Gesocks so alles veranstalten würden.

Und wehe denen, die sich ihnen in den Weg stellen würden. Sie erwartete das gleiche Schicksal, Schmerz und unvorstellbare Qual.

Gerade lagen sich sich grölend in den Armen und feierten den Untergang ihrer Vorgänger.

Die SA war Geschichte und die SS die Emporkömmlinge mit strahlender Zukunft.

Emmi Walddorf achtete nicht auf diese Männer. Ihr Blick hing in den Karten in ihrer Hand, ein Blatt, das ihr einen Sieg oder eine Niederlage bescherte.

Der süßliche Duft nach Vanille stieg ihr von dem Zigarrenqualm in die Nase, vermischte sich mit dem beißenden Gestank glühender Zigaretten und tauchte den ganzen Raum in ein diffuses Licht.

Emmi tränten die Augen, verwandelte ihre Kehle in ein trockenes Rohr aus menschlichen Gewebe und kleinen Muskeln.

Sie tastete langsam über den mit grünem Samt überzogenen Spieltisch nach ihrem Glas Rotwein, spürt das glatte Glas unter ihren Fingerspitzen.

Fest packt sie den Stiel und ohne den Blick von ihren Karten zu nehmen, nahm sie einen tiefen Schluck.

Die alkoholhaltige Flüssigkeit rann angenehm durch ihre empfindliche Speiseröhre.

Als sie das Glas wieder zurückstellte, wagte sie es doch von ihren Karten aufzuschauen.

Dieses Casino war so einfach, wie das Mobiliar.

Und es war der einzige Ort, an dem sich die ehemalige Schauspielerin, der Star der deutschen Filmindustrie, noch wohl fühlte.

Sicherlich hatte sie nie das Niveau einer Marlene Dietrich erreicht oder die witzige Gewandtheit eines Charlie Chaplin besessen, doch es hatte gereicht sie zu einer reichen angesehenen Dame zu machen.

Doch auch diese Zeit war endgültig vorbei. Nichts erinnerte mehr an die schlanke anmutige Emmi Walddorf, die mit einem Lächeln und den blauen Augen eines Engels, die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert hatte.

Jetzt war sie alt, dick und dank der vielen Falten und dem aufgedunsenen Gesicht nur noch ein Schatten ihrer Selbst.

Emmi sah nach links, beobachtete regungslos die anderen Spieler an den Tischen.

Roulette, Würfeln, Pokern - das war jetzt ihre neue Welt.

Eine Welt des Müßiggangs, eine, die nicht darauf achtete, was andere dachten und wie sie es mit ihren Augen sahen.

Emmi störte es nicht, dass der grüne Samt und die tief über den Tischen hängenden Lampen mit den roten Lampenschirmen den einzigen annehmbaren Kontrast zu den weißen Tischbeinen, den weißen Stühlen und dem weißen Tresen gleich hinter dem Roulettetisch, bildeten.

Ihre Kinder würden es hassen.

Natürlich hauptsächlich deswegen, weil sie das beträchtliche Vermögen ihrer Mutter schwinden sahen, mit dem sie schon fest rechneten und planten.

"Wenn du dich nicht so gehen lassen würdest..."

"Hast du einmal an uns gedacht? An das Ansehen, dass wir jeden Tag für uns verteidigen müssen?"

Das waren ihre Standardsätze, ohne dass sie verstanden, warum ihre Mutter so geworden war.

Emmi wandte sich wieder dem Spiel zu, betrachtete die vier anderen Spiele, die sich an dem Spieltisch eingefunden hatten.

Ihre Gesichter glühten vor Aufregung, das Pfeifen in ihren Ohren, ausgelöst durch den eigenen Adrenalinschub, bringt die Männer an den Rand des Erträglichen.

Und als sie sehen, wie der Croupier die Karten in seinen Händen mischt, lässt ihre Körper zittern.

In freudiger und zugleich ungeduldiger Erwartung sahen sie zu, wie der junge Mann in seinem roten Jackett, dem weißen Hemd und der schwarzen Fliege, die zu eng um seinen schlanken Hals lag weitere Karten ausgab.

Zwei Stück für jeden.

Emmi nahm ihre Karten.

Ass und König, stellte sie nach einem kurzen Blick auf ihre Hand fest.

Dann zuckten ihre Augen zurück zu ihren Gegnern. Was würde sie ereilen? Einen großen Sieg oder die Wahrheit einer niederschmetternden Niederlage.

Emmi spürte ihre Anspannung, ihre Furcht - ihre Erregung.

Der grauhaarige Herr mit dem Bart, dessen Enden gewirbelt waren, dem rann der Schweiß über die Stirn, der Herr gegenüber kaute an seiner Zigarre, ohne zu bemerken, dass das Ende schon vor Minuten erloschen war.

Der Dritte in der illustren Runde hatte die Augenlider gesenkt, sein von Pockennarben zermähtes Gesicht wie im Schlaf entspannt.

Der Mann, der an Emmis rechter Seite saß, das war noch ein richtiger Jungspund, nervös und sichtlich darum bemüht seine Erektion vor der einzigen Frau am Tisch zu verbergen.


11 Juillet 2022 15:58:33 0 Rapport Incorporer Suivre l’histoire
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