andrea-hinze Andrea Hinze

Kann eine gequälte Seele gerettet werden? Ja, wenn sie den richtigen Erlöser trifft. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Michael Thompson - Millionär und Playboy, lebt ein Leben am Limit. Er hat nichts wofür es sich zu leben lohnt und noch weniger zu verlieren. | "Meine Albträume können nicht verjagt werden, ich habe sie erlebt." Anthea van der Woodsen, ist als Autorin oft mit dem Kopf in anderen Sphären unterwegs, alles in ihrem Leben scheint reibungslos zu verlaufen. Doch die Wahrheit ist niemals schlicht und selten einfach. Auch sie hat in ihrem Leben bereits die Schattenseiten kennengelernt. | "Es gibt Menschen, die tun viel mehr für viel weniger." ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Im gemeinsamen Urlaub mit ihrer besten Freundin lernt Anthea, dass das Glück manchmal recht merkwürdige Wege einschlägt. In der Britischen Hauptstadt lernt sie den Mann ihrer Träume kennen und verliebt sich auf der Stelle in den smarten Michael. Schmerzhaft muss sie jedoch feststellen, dass man einen schönen Mann niemals für sich alleine hat und das Michael ein Problem mit sich herumschleppt das er um jeden Preis geheim halten will. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Bald schon spürt Michael, dass SIE seine einzige Rettung ist. Und um ihn retten zu können, müsste sie sich aufgeben. Kann er das mit seinem Gewissen vereinbaren? ER allein ist es den sie will. Derjenige der ihr Glück perfekt macht, doch empfindet er ebenso? Ob ihre Liebe sein Geheimnis überstehen kann?


Drame Interdit aux moins de 18 ans. © Andrea Hinze

#Drogen #Misstrauen #London #Liebe #vertrauen #sucht # #BenedictCumberbatch
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London- 24. Dezember 1986

Eine gefühlte Ewigkeit sitzt er jetzt schon hier auf den steinernen Stufen vor dem Haus dem nass kalten Wetter trotzend.
Cathy kam nicht nur einmal heraus um ihn zu ermahnen und bitten mit ihr ins Haus zu kommen. Er würde sich noch den Tod holen.
Doch er blieb sitzen.
Seine Eltern waren so lange weg - eine Ewigkeit. Er wollte, nein musste sogar der erste sein der sie begrüßte. Er, ihr kleiner Liebling.

Es begann bereits dunkel zu werden als endlich ein schwarzes Taxi vor dem Haus am Straßenrand anhielt. Gespannt sah er auf. Seine Augen schmerzten vor Kälte, die Füße waren zu Eisblöcken gefroren und er zitterte am ganzen Körper. Der Fahrer stieg aus, ging um seinen Wagen herum und öffnete die hintere Tür. Daddy schwang seine langen Beine heraus. Seine Füße berührten parallel zueinander den Gehweg und er zog sich wie durch Magie auf die Beine. Gebannt beobachte er wie sein Daddy dem Taxifahrer huldvoll zunickt, sich umdreht und auf ihn zu kommt. Wann würde sich die andere Tür öffnen? Wann würde Mummy endlich aussteigen? Riesig wie immer trohnt Daddy vor ihm und sieht auf den kleinen Jungen zu seinen Füßen hinunter. "Guten Abend, Michael." brummt sein Bariton. "Mein Gott, wie lange sitzt du schon da? Cathy sollte doch dafür sorgen das du bereits im Bett bist." Letzteres murmelte er nur, war kaum verständlich. Er drückt sich ohne dem Kind aufzuhelfen an ihm vorbei, öffnet die Tür und tritt ein. Sofort spürt Michael die Wärme des Hauses und die dunkle Stimme Thomas hinter sich der seinen Vater freundlich aber distanziert begrüßt.
Wo blieb seine Mutter? Der Taxifahrer bahnte sich ebenfalls beladen mit zwei ledernen Koffern an ihm vorbei einen Weg ins Haus. Michael dreht etwas den Oberkörper um sehen zu können was geschieht. Die Koffer werden im Foyer auf die blanken schwarz weißen Fliesen gestellt, der Taxifahrer verlässt das Haus wirft dem Kleinen zu seinen Füßen noch ein gemurmeltes "Frohe Weihnachten, Kleiner!" zu, steigt wieder in sein Wagen und verlässt sein Blickfeld.
Mummy saß wohl nicht mit im Auto.

"Michael komm her!" hallt die Stimme seines Vaters durch das Haus. Michael wurde, nachdem er stundenlang in der Kälte gesessen hatte von Cathy in der Küche zunächst einmal mit heißer Suppe und einer Wärmflasche wieder aufgewärmt. "Sonst haben wir morgen gleich zwei Leichen zu beklagen." murmelte sie und rubbelte mit ihren großen Händen an seinem Rücken.
Was genau war eine Leiche?
"Michael komm sofort hier her!" rief sein Vater erneut. Diesmal dringlicher. Der Junge erhob sich und schlurfte seinem Schicksal entgegen. Er ahnte das sein Vater ihm keine guten Neuigkeiten unterbreiten würde.
Kraftlos lenkt er seine Schritte der Bibliothek seines Vaters zu wo er ihn vermutet. Tatsächlich ist die Tür der Bibliothek einen Spalt breit geöffnet. Verstohlen wirft er zunächst nur einen Blick hinein. Die einzige Lichtquelle im Raum ist ein Feuer das in dem riesigen Kamin prasselt. Vater steht mit einem Glas in der einen sich mit der anderen Hand sich am Kaminsims abstützend davor. Sein Brustkorb hebt und senkt sich stetig, er wirkt angespannt so als ob er wütend wäre. Ist er wütend auf ihn? Aber was hat er getan. In den letzten Wochen war er sehr darum bemüht brav zu sein damit seine Eltern stolz auf ihren lieben Jungen sein konnten.
Jetzt steht sein Vater aber in seinem goldenen Morgenrock gekleidet vor dem Kamin, stiert in die Flammen und trinkt hastig die braune Flüssigkeit aus dem Glas in seiner Hand. Auf dem Tisch nahe dem Kamin steht eine halb leere Flasche.
Zaghaft klopft er an. Der Kopf seines Vaters ruckt herum und Michael erschrickt als er die Augen sieht. Hass und Trauer schienen sich in ihrem Blick ein Duell zu liefern. Was hatte Daddy nur? Und wo war Mummy?
"Da bist du ja endlich." wird er angeschnauzt. "Steh nicht so dumm herum. Komm herein!" Er bedeutet dem Kind einzutreten.
Vorsichtig folgt dieser und kommt sich wie ein Zebra in direkter Nähe zu einem hungrigen Löwen vor, als er durch den Raum schleicht und schließlich hinter der Rückenlehne eines Sessels zum stehen kommt.
"Was soll das? Was tust du da?" will sein Vater verwirrt wissen.
"Ich hab Angst." flüstert Michael.
"Was? Sprich gefälligst lauter!" raunt sein Vater ihn an.
Vor Schreck zuckt Michael zusammen, verlässt dann jedoch sein Versteck und stellt sich direkt vor seinen Vater an den Kamin. Das Feuer ist groß und heiß. Sein Blick fährt über den Körper seines Vaters hinauf in dessen Gesicht. Das Licht flackert und lässt seinen Mund so erscheinen als ob Daddy Lächeln würde. Doch es ist nur eine optische Täuschung, denn als er jetzt beginnt zu sprechen ist es nichts lustiges was er zu sagen hat.
"Michael, ich muss dir leider berichten das deine Mutter uns verlassen hat."
Erschrocken fokussiert sich sein Gehör auf das gesprochene. Verlassen? Konzentriert sieht er seinem Vater ins Gesicht. Noch immer keine Regung. "Was meinst du? Wo ist Mummy?" flüstert das Kind.
"Hast du mir gerade nicht zugehört?" wird er angebrüllt. "Sie ist weg. Weg, Michael."
"Wo ist Mummy?" Seine Augen beginnen zu brennen, Tränen rinnen ihm in die Wangen herab und fallen vor seine Füße auf den Parkettboden.
"Sie hat sich dazu entschlossen uns zu verlassen. Ist durchgebrannt, so nennt man das wohl." Verbittert dreht sein Vater sich ab und starrt wieder in die Flammen.
Mum kann doch nicht einfach so weg gehen. Ohne ihren Jungen. Wo ist sie nur?
"Kommt sie wieder?" flüstert er.
Sein Vater schüttelt stumm den Kopf. Weil er damit meint das sie nie wieder kommt oder weil er es nicht weiß, der Junge kann es nicht erörtern.
Schweigend dreht er sich um und läuft so schnell er kann zur Tür. Nur weg hier. Zu Cathy in die Küche. Cathy sollte ihn trösten.
"Es wird nicht gerannt! Und schließe die Tür!" schreit sein Vater ihm nach. Sofort stoppt er und geht vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend weiter zur Tür. Leise zieht er diese hinter sich zu. Im Raum dahinter hört er Glas zerspringen.

Der Wecker zeigt bereits 23:30 als die Tür zu seinem Kinderzimmer leise geöffnet wird. Michael liegt mit dem Rücken zu ihr unter seiner Decke und gibt vor zu schlafen. Wirklich schlafen kann er heute nicht. Zu groß ist die Ungewissheit was mit seiner Mutter geschehen ist.
Sicherlich ist es Cathy die sich bevor sie selbst schlafen geht vergewissern will ob es ihm gut ginge. Doch als die Person sich jetzt zu ihm auf die Bettkante setzt bemerkt der Junge das es sich bei dem nächtlichen Besucher nicht um die Haushälterin sondern um seinen Vater handelt. Dessen schwere Hand sich nun auf seine Schulter legt. Michael kann nicht verhindern das er bei der Berührung etwas zusammenzuckt.
"Du bist wach." Das war keine Frage sondern eine Feststellung.
"Ich kann auch nicht schlafen." murmelt die dunkle Stimme seines Vaters.
Michael antwortet nicht, zeigt auch sonst keine Reaktion. Starrt einfach nur weiter in Richtung Fenster.
"Möchtest du heute Nacht in meinem Schlafzimmer schlafen?" fragt sein Vater.
Michael hält den Atem an.
Seine Eltern haben schon seit er denken kann getrennte Schlafräume in unterschiedlichen Etagen in diesem Haus. Sein Vater seines liegt unter dem Dach.
"Was sagst du? Ich weiß, dass du wach bist, Michael." Seine Stimme ist so sanft, so freundlich. Ganz anders als sonst.
Zuversichtlich das er diese Nacht trösten gespendet bekommt dreht er sich zu seinem Vater um und nickt.
Ein echtes Lächeln breitet sich auf dessen Gesicht aus. Er erhebt sich und reicht seinem Sohn die Hand. "Dann komm!" raunt er.
Michael klettert aus dem Bett, schlüpft in Pantoffeln und Morgenmantel und ergreift die warme Hand seines Vaters.
Gemeinsam gehen sie in das Dachgeschoss.

London - 14. Juni 2019

"Das wird so genial! Ich bin ja so aufgeregt." freut sich Rose. "London. Mein ganzes Leben schon träume ich davon hierher zu kommen." Sie kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Gemeinsam stehen wir mit unserem Gepäck vor dem Hauptgebäude des Heathrow Airports und schauen uns unschlüssig um. "Ein Königreich für ein Taxi." denke ich und beschließe einfach das schwarze dort drüben zu nehmen. Energisch deute ich aus Mangel an Handfreiheit mit dem Kinn darauf. "Da drüben. Ein Taxi." rufe ich. Rose blickt in die Richtung und setzt sich schon in Bewegung.

Nachdem wir uns mit unseren Koffern einen Weg durch die Menschenmassen gebahnt und erfolgreich dieses Taxi für uns in Anspruch genommen haben, lassen wir uns erschöpft in die Sitze plumpsen. Der Fahrer ist noch mit unserem Gepäck beschäftigt und legt es in den Kofferraum. Rose und ich strahlen uns an. London - eine Woche nur wir zwei. Einen letzten Mädelsurlaub ehe der Ernst des Lebens beginnt. Bereits in drei Wochen wird Rose Frau von Ribbeck sein. Dann ist es vorbei mit trauter Zweisamkeit zwischen uns. Seit frühester Jugend sind wir nun schon befreundet. Haben etliche Höhen und Tiefen miteinander durchgestanden.
"Thea, ich bin so froh das es noch geklappt hat!" flüstert Rose mit einem mal und ihre Stimme klingt als sei sie tief bewegt.
Ich greife nach ihren Händen und drücke sie sanft. "Ich auch. Mensch, London. Unsere Traumstadt. Warum sind wir nicht schon viel früher gemeinsam hierher gekommen?" grübel ich laut.
Sie zuckt die Achseln. "Keine Ahnung. Du warst ja schon mal hier. Du glückliche."
"Jup. Sechs Monate Schüleraustausch. Das war eine tolle Zeit!" Und während ich in Erinnerungen schwelge steigt der Fahrer ein und bittet um die Adresse.
Rose nennt sie ihm und die Fahrt geht los.
Glücklich sehen wir uns an und müssen plötzlich lachen.
London - wir kommen!

Unsere knapp einstündige Fahrt endet in Whitechepal. Vor dem Clayton Hotel hält der Fahrer an und steigt als erster aus um unser Gepäck aus dem Kofferraum zu wuchten. "Los geht's. Komm!" sage ich und öffne die Wagentür. Leider vergesse ich auf den Verkehr zu achten und entgehe, kaum das ich die Tür hinter mir zugeworfen habe nur knapp einem wütend hupenden schwarzen Auto. Um ein Haar wäre ich überfahren worden. "Süße, träumst du?" lacht Rose und stöckelt schon dem Eingang entgegen. Der Schreck ist mir in die Glieder gefahren. Steif und nass geschwitzt umrunde ich den Wagen bezahle den Fahrer und lächle dem Page dankbar zu der bereits damit begonnen hat unsere Koffer auf einen Rollwagen zu stellen. Dann folge ich meiner Freundin durch die riesige Glastür ins Innere des Gebäudes.
Das Hotel ist recht neu und modern ausgestattet. Dunkles Holz und freundliche helle Farbakzente bilden ein stimmiges Gesamtbild. Ich stelle mich neben Rose an den Empfangstresen. Ein freundlich lächelnder dunkelhäutiger junger Mann im schwarzen Anzug begrüßt uns und heißt uns herzlich willkommen.
Nachdem wir den bürokratischen Teil hinter uns gebracht haben befinden wir uns gemeinsam mit dem Page und unserem Gepäck in einem Aufzug in den 7. Stock. Hier soll sich unser Doppelzimmer befinden.
"Wow! Das Zimmer ist ja voll der Hammer!" jubelt Rose während sie mit ausgebreiteten Armen durch das Zimmer läuft.
"Ja, wirklich schön." stimme ich ihr gemäßigter zu.
Ich halte dem jungen Mann einen Geldschein hin und verabschiede ihn mit einem strahlenden Lächeln.
Kaum ist die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen, da lässt sich Rose mit Schmackes rückwärts auf das riesige Bett fallen. "Das wird der beste Urlaub unseres Lebens!" schreit sie glücklich und strampelt mit den Beinen in der Luft herum.
Lächelnd sehe ich ihr zu.
"Komm her, Süße! Geh mal richtig aus dir raus." befiehlt sie mir.
Zögerlich gehe ich auf sie zu. Rose ergreift meine Hände und zieht mich zu sich auf das Bett. Kaum stehen wir uns auf der Liegefläche gegenüber beginnen wir synchron hysterisch zu lachen und dabei auf und ab zu hüpfen.
Wir tun das bis wir das Gefühl haben, dass das Bett diese Prozedur keine Minute mehr länger aushält.
Atemlos lassen wir uns rücklings fallen und bleiben heftig atmend liegen.
"Das wird toll! Es wird unser Leben verändern." seufzt Rose dreht den Kopf zu mir und sieht mir tief in die Augen. "Ich spür's einfach."
"Na mal sehen." grübel ich.
"Ach komm schon." Sie zwickt mich in die Seite. "Wir sind in einer der aufregendsten Städte der Welt. Lass uns rausgehen und Abenteuer erleben."
"Ich habe keine Ahnung was für Drogen du genommen hast Süße, aber ich will auch was davon haben." ziehe ich sie auf.
"Meine Droge heißt Daniel." lacht sie und fügt hinzu "Vielleicht findest du ja deinen Daniel hier in London?"
Ich winke ab. "Ja klar." und beginne damit meinen Koffer auszupacken.
"Musst du das jetzt machen?" mault Rose. "Das hat doch Zeit. Ich habe Hunger." fügt sie in einem herzerwärmenden Jammerton hinzu.
Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen und stimme nickend zu, dass wir das Auspacken vorerst sein lassen und uns stattdessen ein hübsches kleines Café suchen.

In der Nähe des Hotels werden wir fündig. Das Cafè ist niedlich. Klein aber fein. Eine freundliche Bedienung fragt uns nach unseren Wünschen kaum das wir in der Außenbestuhlung platz genommen haben.
Mein Hunger hält sich, obwohl ich seit unserem Abflug heute Morgen in Berlin nichts mehr gegessen habe in Grenzen. Rose dagegen scheint extremen Hunger zu haben, demnach zu urteilen was sie sich alles bestellt.
Ich lehne mich zurück und schaue in den strahlend blauen Juni Himmel.
"Ist es nicht seltsam?" beginne ich träumerisch.
"Was?"
"Man nimmt doch gemeinhin an das es in England immer regnet."
Rose nickt.
"Aber in all den Monaten in denen ich in dieser Stadt gelebt habe hat es kaum geregnet." vollende ich meine Gedankengänge.
"Weißt du, ich habe mal gelesen, dass das ein Trugschluss ist. In Rom zum Beispiel soll es im Schnitt mehr regnen als in London. Erst recht in Zeiten des Klimawandels." Sie zwinkert mir zu.
Jetzt nicke ich.
Die Bedienung kehrt zurück und bringt unsere Getränke. Eilig greife ich, sobald sie wieder weg ist nach meinem Wasser. "Ich habe einen solchen Durst. Das muss an der Hitze liegen." stöhne ich.
"Sicher. Dann lass uns anstoßen!" schlägt meine Freundin vor und erhebt ihr Wasserglas.
"Mit Mineralwasser?" frage ich halb skeptisch halb erfreut.
"Klar doch. Wenn wir uns jetzt bei dieser Hitze Sekt hinterknallen schaffen wir unser heutiges Programm nicht mehr." erwidert sie lachend. "Auf unseren letzten Urlaub in Freiheit!"
"Auf die Freiheit." stimme ich mit erhobenem Glas zu.
Beide trinken wir einen Schluck.
Da fällt mir auf. "Was hast du eigentlich für heute noch geplant?" Mit flauem Gefühl im Bauch ahne ich bereits das sie mich in irgendeinen Club oder so schleppen will. Jetlag habe ich zwar keinen, kein Wunder bei der kurzen Distanz aber um die Nacht durch zu machen fühle ich mich heute dennoch zu schlapp.
"Ich will in den Tower." Begeistert wie ein kleines Kind klatscht sie in die Hände.
"Echt jetzt? Heute noch? Da sind immer so ewig lange Schlangen." stöhne ich.
"Ach komm schon!" grinst sie.
Wie oft habe ich das heute schon von ihr gehört.
"Na gut. Dann lass uns jetzt schnell was essen und dann los. Ist ja nicht weit von hier aus. Nur die Straße runter." stimme ich zu.
"Eben."

Nachdem wir unsere Salate und die Pizzas gegessen haben machen wir uns gleich auf den Weg.
Nur die Straße runter ist dann doch nicht. Was auf der Karte so kurz aussieht ist in einer Stadt wie London doch ein gutes Stück zu Fuß.
Auf dem Hinweg verzichten wir aus gutem Glauben bald am Ziel zu sein auf die Tube, für den Rückweg jedoch nehmen wir uns fest vor damit zu fahren.
Schon von weitem sieht man die dunklen Mauern des Towers of London.

Kaum stehen wir wieder auf der Straße sehen wir uns nach einer U-Bahnstation um.
"Dort drin war es so spannend das ich gar nicht bemerkt habe wie viel wir heute gelaufen sind. Mir tun die Füße weh!" heult Rose theatralisch und gestikuliert wild in der Luft herum.
"Reg dich ab, Dramaqueen! Da drüben ist die Tube." grinse ich, hake mich bei ihr unter und ziehe sie in die angegebene Richtung.

Später im Hotel schafft es Rose gerade noch sich zu unserem Bett zu schleppen. Sofort lässt sie sich müde darauf fallen. Kaum ist sie in der Waagerechten schläft sie auch schon ein.
"Und du willst die Nächte durchfeiern?" grinse ich in mich hinein. "Wohl kaum."
Im Gegensatz zu meiner Freundin möchte ich morgen früh nicht aufwachen und wie ein Pandabär aussehen. Also gehe ich in das luxuriöse Badezimmer unseres Zimmers Dusche und schminke mich ab. Mein Haar lasse ich heute so. Das kann ich auch morgen noch waschen. Bis ich meine langen roten Locken wieder trocken habe vergehen Stunden.
Nachdem ich mich eingecremt habe und gerade dabei bin mich für die Nacht anzuziehen poltert es laut im Flur vor unserem Zimmer.
Ich horche auf. Ein weiteres Poltern.
Neugierig geworden wer da um diese Zeit einen solchen Lärm veranstaltet gehe ich zur Tür, öffne die einen Spalt breit und linze vorsichtig hinaus. Der bordeaux rote Läufer glänzt im Schein der Wandleuchten die in regelmäßigen Abständen zu beiden Seiten an den Wänden angebracht sind. Der Flur ist leer. Nur links neben mir klappt gerade die Tür. Ob da gerade der Randalierer verschwunden ist?

"Guten Morgen Sonnenschein." flüstert eine freundliche Stimme in meinem Traum. Verwirrt reibe ich mir die Augen und schlage sie auf. Neben mir liegt Rose bäuchlings auf dem Bett, das Kinn auf die Hände gestützt und grinst mich über beide Ohren an. "Gut geschlafen?" fragt sie noch.
Ich gähnte hinter vorgehaltener Hand und nicke. "Wie ein Stein."
"Sehr schön! Dann mal auf auf! Wir haben viel vor." Sie hievt sich hoch und krabbelt zum Fußende des Bettes. Jetzt erst fällt mir auf das sie bereits vollständig angezogen ist. "Sag mal, wie lange bist du denn schon auf?" murmle ich und greife nach meinem Handy auf dem Nachttisch neben mir. 7:45.
Echt jetzt?
Genervt lasse ich mich zurück auf den Rücken fallen. "Meine liebe Rose. Bist du nicht auch der Ansicht das man es sich in seinem Urlaub mal gut gehen lassen sollte? Dazu gehört, meiner Meinung nach auch mal ausschlafen zu können." stöhne ich und fahre mir mit der Hand durch die Locken.
"Ich hatte vor um 8 zum Frühstück runter zu gehen. Wir schaffen doch sonst nichts." Theatralisch seufzt sie laut auf.
"Okay okay. Bevor du mir hier noch einen Nervenzusammenbruch bekommst." gebe ich nach und stehe auf. "Aber morgen wird ausgeschlafen. Mindestens bis 9." stelle ich klar.
"Ist gebongt. Und jetzt beeil dich! Ich hab Hunger."
"Sklaventreiberin." stöhne ich und schlurfe ins Badezimmer.
Dort fällt mir der Lärm von gestern Nacht wieder ein. "Ein Wunder das du durch geschlafen hast." rufe ich laut durch die geschlossene Tür.
"Wieso?" kommt es dumpf zurück.
Ich öffne die Tür einen Spalt breit und rufe mit der Zahnbürste im Mund hinaus "Irgendjemand hat gestern im Flur vor unserem Zimmer randaliert. Es hat super laut gepoltert. Und du hast nix gehört?"
"Nö."

30 Minuten später sitzen wir im Speisesaal beim Frühstück. Während Rose pikiert einen Chefsalat auf die Gabel nimmt und ununterbrochen redet und redet, nippe ich an meinem Cappuccino und beobachte sie.
Meine beste Freundin seit Kindertagen trägt seit neuestem ihr blondes Haar als mittellangen Bob. Mit ihrem makellosen Gesicht und ihrer Traumfigur hat sie seit jeher den Männern den Kopf verdreht. Dazu kommt ihr freundliches offenes Naturell mit dem sie es schafft jeden um den kleinen Finger zu wickeln. Ob Frau oder Mann - egal. Rose kann einfach gut reden. Ich würde mich zwar nicht unbedingt als schüchtern bezeichnen, aber wir sind dennoch grundverschieden.
Ruhiger Bücherwurm der seine kreative Seite bei der Arbeit als Autorin auslebt umschreibt mich wohl am besten.
Rose dagegen steht als Model und Moderatorin beim Radio stets im Mittelpunkt und sonnt sich in der Aufmerksamkeit die ihr die Öffentlichkeit zukommen lässt.
Ich halte mich gern zurück. Bleibe im Hintergrund. Verstecke mich hinter meinem Schreibtisch.
Gedankenverloren greife ich mir ein Buttercroissant aus dem Brotkorb und beginne es der Länge nach aufzuschneiden.
"Na endlich. Ich dachte schon du hättest keinen Hunger." freut Rose sich. "Du musst dich stärken. Wir haben heute viel vor." Sie zwinkert mir zu.
"Komisch, dass hast du gestern schon gesagt." grinse ich und bestreichen beide Croissantshälften mit Kirschmarmelade. Ich liebe Marmelade!
"Jedenfalls bin ich so froh das es doch noch geklappt hat mit unserem Urlaub!" plappert sie weiter.
"Ja. Ich musste mich echt anstrengen mein Kapitel noch fertig zu kriegen." stöhne ich, "War nicht einfach."
Ich sehe sie an und zucke die Achseln. "Schreibblockade."
"Du brauchst einfach nur wieder Input. Anreize eben." lacht sie. "Hey, vielleicht kommt dir ja beim Anblick eines uralten Gebäudes hier die Idee? Wir sind schließlich in Whitechepal. Wenn einem hier keine gruseligen Einfälle kommen wo denn dann?" Sie spült ihren Salat mit einem großen Schluck Orangensaft herunter.
"Ja, wenn man ..."
Sie unterbricht mich in dem sie plötzlich laut jubelt "Oh oh, das ist ja die Idee überhaupt. Für deine kreative Schaffensphase. Wir gehen heute zu so einer Jack the Ripper Stadtführung." Rose klatscht begeistert in die Hände.
Mich gruselt es jetzt schon. "Du, ich weiß nicht recht." erwidere ich zögerlich.
"Ach sei doch nicht immer so ein Hasenfuß." zieht sie mich lachend auf.
"Ich überleg's mir okay?" wehre ich sie mit erhobenen Händen ab.
"Du hast mir versprochen noch ein letztes Mal mit mir einen drauf zu machen. Die Sau raus zu lassen bevor ich in den ewigen Jagdgründen verschwinde." jammert sie theatralisch.
"Rose, du stirbst nicht. Du heiratest." lächle ich. "Ich dachte du liebst Daniel?" Zweifelnd ziehe ich die Augenbraue hoch.
"Selbstverständlich tue ich das. Aber noch, meine Liebe ..." Sie greift nach meinen Händen und sieht mir in die Augen. "... bin ich Single und dies hier ist mein Junggesellinnenabschied. Also wird gefeiert. Lass uns Spaß haben! Komm mal aus dir raus, Süße!"
Lächelnd schüttel ich den Kopf. "Ich denke nicht das ich über meinen Schatten springen kann." murmle ich und führe das Croissant an meinen Mund.
"Ich glaube du musst nur mal richtig gefickt werden."
Erschrocken verschlucke ich mich und mir fällt das Croissant aus der Hand. Natürlich mit der beschmierten Seite direkt auf meine weiße Bluse.
"Verdammt!" presse ich zwischen dem Hustkrampf hervor, greife nach dem Gebäck und werfe es auf den Teller vor mir.
Rose fällt fast vom Stuhl vor Lachen. "Oh mein Gott bist du prüde." schnaubt sie.
Ohne das zu kommentieren stoße ich mich vom Tisch ab und stehe auf. "Ich geh mich mal - umziehen. Bin gleich wieder da."
Sie nickt lachend und piekt mit ihrer Gabel ein weiteres Salatblatt auf.

Eilig verlasse ich den Speisesaal, durchquere das Foyer und laufe zu den Aufzügen. Stets darauf bedacht meine Arme so zu halten das der riesige feuchte Fleck nicht großartig auffällt.
"Wie peinlich. Ist ja mal wieder typisch das mir sowas passieren musste und nicht Fräulein Supertoll." grummel ich während ich mit dem Aufzug in den 7. Stock fahre.
Warum auch immer, aber kaum bin ich aus dem Fahrstuhl getreten beginne ich, während ich den Gang entlang laufe die Knöpfe meiner Bluse zu öffnen. Hier ist um diese Uhrzeit eh kein Schwein.
Der letzte Knopf will nicht so wie ich es will. Mit gesenktem Kopf renne ich weiter und pralle mit einem mal mit jemanden zusammen. Das erste was ich von diesem Jemand sehe sind glänzend schwarze Schuhe und eine dunkelblaue Anzughose. Ich pralle direkt mit ihm zusammen. Meine Brust presst sich gegen die seine, meine Hände ruhen ebenfalls auf seiner Brust. Ich spüre harte Muskeln. Es sind nur Sekundenbruchteile doch es kommt mir wie in Zeitlupe vor als er jetzt, vielleicht aus Reflex seine Hände um meine Taille legt und mich festhält. Dann ist der Moment vorüber.
Erschrocken fahren wir auseinander.
Mit Entsetzen bemerke ich als erstes den dunkelroten Fleck Kirschmarmelade auf seinem weißen Button down Hemd. Mein Fleck muss sich bei dem Aufprall direkt auf sein Hemd gestempelt haben.
"Heilige Scheiße!" rufe ich auf deutsch. Was auch immer mich geritten hat, aber ich trete wieder näher und versuche hastig mit meinem Ärmel den Fleck weg zu wischen. "Das muss doch ... Scheiße!" fluche ich leise.
"Stopp!" herrscht er mich an und hält mein Handgelenk mit eisernen Griff fest. Erschrocken sehe ich ihm ins Gesicht. Seine blauen Augen stechen aus seinem hübschen Gesicht hervor. Allerdings sind sie gerötet. Hat er geweint? Ohje diese Wangenknochen. Und das braune Haar. Nicht zu kurz und nicht zu lang, jedoch perfekt frisiert. Ein sexy Bartschatten. Oh man. Wenn man einen Mann als sexy bezeichnen kann dann diesen hier.
"Das bringt nichts. Sie machen es nur noch schlimmer, sie dumme Gans." presst er auf englisch zwischen den Zähnen hervor.
Er ist Brite.
Theoretisch sollte ich aufgrund seiner Wortwahl sauer sein, aber er hat ja recht.
Ich wechsle zum englischen. "Es tut mir sehr leid, Sir. Entschuldigen Sie bitte!" flehe ich.
Sein Blick mit der erhobenen Augenbraue macht mir bewusst das ich hier mit geöffneter Bluse barbusig vor ihm stehe. Hastig raffte ich die Bluse am Hals zusammen und versperrte ihm so die Sicht auf mein Dekolltè.
Für einen kurzen Augenblick zieht er amüsiert die Mundwinkel nach oben, doch gleich darauf verdunkelt sich sein Blick wieder.
Plötzlich reißt er sich sein dunkelblaues Jacket von den Schultern und drückt es mir in die Hand. Verwirrt halte ich es am Kragen fest. Dann öffnet er, hier mitten im Gang Knopf für Knopf sein weißes Hemd. Ich schnappe nach Luft, stehe da und kann ihn nur anstarren. Das scheint ihn wieder zu belustigen. Er grinst mich frech an.
Stück für Stück kann ich mehr von seinem gestählten Oberkörper sehen. Er scheint intensives Training zu betreiben.
Fast schon lasziv lässt er das Hemd schließlich über seine Schultern gleiten.
Ich befeuchte meine Lippen, ziehe die Unterlippe leicht ein und kaue darauf herum während ich seinen Striptease hier genieße.
Ein dunkles Knurren verlässt seine Kehle und mit einem mal knüllt er sein Hemd achtlos zusammen und wirft es mir entgegen. Ein Ärmel streift im Flug meine Wange. Erschrocken, durch diese rüde art mich aus meinem Tagtraum heraus zu holen fange ich es auf und presse es an meine Brust. "Was?" frage ich.
"Säubern. Wo ich wohne wissen Sie ja." raunt er mich an, reißt mir sein Jacket aus der Hand und verschwindet so schnell wie er gekommen ist in seinem Hotelzimmer.
Die Tür knallt laut ins Schloss.
Unschlüssig stehe ich einige Augenblicke nur da. Dann erinnere ich mich meines Aufzugs und wo ich mich befinde und eile zu unserer Zimmertür. 712. Er wohnt 711.
Kaum ist die Tür hinter mir ins Schloss gefallen da presse ich mich rücklings gegen das harte Holz. Heftig atmend brauche ich einige Augenblicke um wieder runter zu kommen. Was ist hier gerade passiert? Nüchtern betrachtet habe ich mich vor dem sexiesten Mann der Welt zum deppen gemacht und ihm sein Versace Hemd ruiniert. Versace? Oh scheiße! Kirschflecken gehen doch nicht mehr raus. Mist, mist, mist!
Andersherum hat er allerdings auch vor mir einen Striptease hingelegt. Na ja, zumindest einen kleinen. Ob er immer so spontan ist oder war das nur für mich? Keine Ahnung.
Vorsichtig hebe ich sein Hemd und schnuppere daran. Es ist frisch gewaschen aber es duftet auch nach seinem After Shave. Hm lecker. Seufzend presste ich mir den Stoff vor das Gesicht und schließe träumerisch die Augen. "Wie du wohl heißt?" überlege ich. "Wenn ich es tatsächlich gebacken kriege den Fleck zu entfernen wie soll ich dir dein Eigentum zurück geben? Über den Empfang. Dann würde ich deinem Namen erfahren. Oder war es deine Absicht das ich es dir persönlich nach nebenan bringe?"
Momentan mal, nebenan. Dann war er es gestern Nacht der so laut war.
Einige Zeit stehe ich noch so da und atme seinen Duft ein, bin mir plötzlich Rose wieder einfällt. Wie lange war ich jetzt schon weg? Mist!
Ich gehe hinüber zur Sitzgruppe und breite das Hemd von Mister Unbekannt auf der Rückenlehne des Sessels aus. Vorsichtig lasse ich meine Fingerspitzen über den weichen Stoff gleiten. Dann reiße ich mir meine eigene Bluse vom Leib und werfe ich achtlos auf das Bett. Eilig laufe ich zum Schrank. Dieser steht an der Wand die an sein Zimmer grenzt. Seltsamerweise komme ich mir gar nicht lächerlich vor als ich jetzt mein Ohr an die geblümte Tapete presse und lausche. Doch entweder sind die Wände sehr dick oder er ist sehr leise, jedenfalls höre ich nichts. Langsam fröstelt es mich auch, sodass ich mir schleunigst ein Shirt aus dem Schrank hole und überziehe. Ein kurzer Blick auf mein Spiegelbild sagt mir, dass das kurze Intermezzo mit Mister sexy meiner Ausstrahlung gut getan hat. Ich grinse über beide Ohren. Rasch bürste ich mein Haar und verlasse anschließend das Hotelzimmer.
Als ich an Tür 711 vorbei gehe werfe ich einen schnellen Blick zu der Tür. Verschlossen.

Kurz darauf bin ich zurück im Speisesaal.
"Na du warst ja lange weg. Hast du das Shirt erst noch nähen müssen oder was?" empfängt meine Freundin mich am Tisch.
"Du glaubst nicht was mir gerade passiert ist." beginne ich nachdem ich mich gesetzt habe.
Rose wittert eine gute Story und fordert mich auf weiter zu sprechen.
Als ich geendet habe lehnt sie sich auf ihrem Stuhl zurück und lächelt geheimnisvoll.
"Was ist?" lache ich.
"Der Typ scheint dich ja tief beeindruckt zu haben."
Ich winke ab und greife zu meiner Tasse. Kalt. Natürlich. Mist! Ich sehe mich nach einer Bedienung um um mir einen neuen Cappuccino zu bestellen. Insgeheim hoffe ich Rose so von diesem Thema abzulenken.
Vergeblich.
"Süße, ich sage dir, das ist Schicksal."
Ich schnaube verächtlich und sehe sie an.
"Doch doch. Dieser Kerl ist vielleicht der der dich ..."
"Schon gut." unterbreche ich sie schnell ehe sie die f Wort sagen kann. Wie peinlich!
Rose fällt schon wieder fast vom Stuhl vor lachen. Sie muss sich sogar an der Tischkante festhalten. Warum muss sie immer so übertreiben?

30 Avril 2022 04:06:33 0 Rapport Incorporer Suivre l’histoire
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