Zeitalter der Elemente Follow blog

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Mia Ringmann
Als Malivi und ihr Bruder 16 werden, müssen sie sich ihrem Schicksal stellen. Jeder muss sich vor den Schicksalsgöttern beweisen, um seiner Berufung nachgehen zu können. Jedoch scheinen die Götter des Schicksals Malivi als Magneten für das Böse zu halten. Noch während des Rituals trifft sie auf einen Jungen, der ihr fremd ist, dennoch aber so vertraut vorkommt. Sich mit ihm zu unterhalten, hatte sich so richtig angefühlt, dachte sie. Was sie nicht wusste, war, dass es der größte Fehler ihres Lebens gewesen war... 0 reviews
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Prolog

"Was ein schönes Gefühl, endlich 16 Jahre alt!" dachte Malivi, als sie und ihr dickköpfiger Zwillingsbruder Alvar sich umarmten. Es war eine lange, aber innige Geste, die mehr als tausend Worte sagte. Gefühlte zehn Minuten vergingen, bis sie von einem traurigen Schluchzten aus ihren Gedanken gerissen wurden. Schnell ließen sie sich los, als sie merkten, wie lange sie nun ineinander verschlungen dar gestanden haben mussten. Verlegen blickten sie zu ihren Eltern, die sich ganz fest aneinander drückten. Es wirkte schon fast so, als hätten sie Angst, sich sonst gegenseitig zu verlieren, dabei war dieser Gedankengang gar nicht so abwegig, wie man im ersten Moment denken könnten. Inzwischen setzte sich Alvar in Bewegung und seine kleine Schwester folgte ihm schlurfend. Als ihre Eltern sie kommen sahen, öffneten sie ihre Arme so, als würden sie damit eine Tür zu einer ganz eigenen Welt öffnen. Alvar glaubte, sich noch nie so zeitlos und frei gefühlt zu haben. Sie verharrten lange in der Umarmung, die eher einer Umklammerung glich. Sogar so lange, dass sie fast den Sonnenuntergang verpasst hätten. Es ist spät, nuschelte Amaya, (zumindest hörte es sich so an, da sie in das Cape von ihrem Mann redete) wir sollten uns auf den Weg machen" und so machten sie sich auf den Weg. Die Hände fest ineinander verschlungen gingen sie an den Ort der Bestimmung oder wie die meisten ihn nannten: zum Wasser des Schicksals. Dort würde sich zeigen, ob Alvar und Malivi es wert sind, zu leben, zu lieben und nach dem Können zu sterben. Nach einer Weile konnte man schon das Funkeln des klaren Wassers sehen. Ivan hörte das leise Plätschern zuerst und flüsterte: "Gleich sind wir da. Mögen Moria und Asimet auf euch aufpassen, die Nacht euch zudecken, wenn die Sonne aufhört zu lächeln, sodass ihr unversehrt wiederkehrt. Er wählte seine Worte durchaus mit Bedacht, denn schließlich wollte sich niemand mit den Göttern verscherzen, wenn sie einem am nächsten Tage noch verschonen sollen. Sie erblickten die Sonne, die auf dem Wasser zu schmelzen schien und wurden etwas langsamer. Zuvor waren sie förmlich gerannt, da sie gedacht hatten, die untergehende Sonne zu verpassen. Jetzt, da sie das Wasser des Schicksals sehen konnten, gingen sie ganz entspannt weiter, als hätten sie alle Zeit der Welt. Das schwarze Gewässer lag friedlich dort. Ein wenig wippte es, aber zu seiner eigenen Musik. Am Ufer angekommen war es still, keiner rührte sich, keiner sagte etwas, nicht mal eine Böe fegte über den feinen Sand des kleinen Strandes. Es war so weit. Die Sonne war fast hinter dem Horizont verschwunden, sodass der Himmel wie eine eingefärbte Leinwand aussah. "Es ist so weit", flüsterte Alvar zu seiner Schwester. Ein leiser Windhauch untermalte seine Worte. Alvar zog bereits sein Leinenhemd aus, als Malivi sich zu ihren Eltern umdrehte. "Was ist mein Schatz?", fragte ihre Mutter sie mit eindringlicher Miene. "Ich habe so ein mulmiges Gefühl", flüsterte sie, damit die anderen sie nicht hören konnten. "Ich bin mir sicher", erwiderte ihre Mutter zaghaft, "dass du ihm würdig sein wirst." Langsam trottete Malivi an den Rand des Ufers und zog sich um. Ihre Eltern überreichten ihr und Alvar ihre Roben, die sie an ihrem 16. Geburtstag getragen hatten. Malivi sollte eine schwarze Robe mit goldenen Verzierungen an Ärmeln und Kragen tragen. Zarte Ranken zogen sich wie eine wachsende Rose um den seidenartigen Stoff. Amaya faltete den Umhang auf und strich zärtlich mit ihren Fingern über ein aufgenähtes Unendlichkeitszeichen. Sie streckte Malivi die edel aussehende Robe entgegen und blickte sie mit einem aufmunternden Lächeln an. Alvar und seine Schwester waren fast nicht zu erkennen, da der Mond die Sonne schon lange abgelöst hatte. "Mögen wir uns ewig lieben, im Augenblick der Unendlichkeit", sprach die Familie feierlich, bevor Ivan und Amaya anfingen lateinische Worte vor sich hin zu murmeln. Zumindest glaubte Malivi, dass es lateinische Worte waren, auch wenn sie nie so wirklich mit ihren Eltern Latein gesprochen, geschweige denn gelernt hatte. "... EA infinitas in id fatum..." "Was flüstern sie denn vor sich hin?", fragte Malivi schulterzuckend. "Ich glaube", wisperte Alvar Malivi zu, "sie reden irgendetwas von Schicksal und Unendlichkeit."

Aug. 8, 2022, 7:52 p.m. 0 Report Embed 2
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