lysann_blackmoon Lysann Blackmoon

Diese Geschichte handelt vom inneren Kampf, den viele durchleben, ohne das ihre Umgebung ihn wahrnimmt. Ein Lächeln kann Angst, Frust, Verzweiflung und Selbsthass verbergen.


Drama Nicht für Kinder unter 13 Jahren.

#Kurzgeschichte #unsichtbar #traurig #Drama
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Kurzgeschichte

Ich fühle mich schrecklich. Ich kann seid Tagen nicht schlafen, habe kaum Appetit, muss mich zwingen etwas zu essen. Es ist furchtbar so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Ja zu sagen, wenn man eigentlich Nein meint. Zu Lächeln, obwohl man eigentlich traurig ist. Zu lachen, aber im Grunde möchte man weinen. Niemand soll sehen, wie ich mich fühle, ich will es selber nicht sehen. Ich weine, will aber lachen, ich liege im Bett und starre an die Decke. Meine Gedanken drehen sich immer wieder nur um das selbe Thema. Ich bin ein schrecklicher Mensch, tueallen nur weh. Wieso bin ich überhaupt noch hier? Wäre es nicht für alle besser, es würde mich nicht geben? Einfach verschwinden, nie existiert haben, dann würde auch keiner um mich weinen. Ja, das wäre gut, dann gäbe es keine Trauer, keine Tränen wegen mir. Wie denn auch, wenn ich nie existiert hätte? Eigentlich will ich so nicht denken, es passiert einfach, ich kann es nicht abstellen. Immer wieder höre ich Stimmen in meinem Kopf, die mir sagen wie schrecklich ich bin. Wie alle unter mir zu leiden haben. Erst habe ich diese Stimmen ignoriert, sie ausgeblendet aus meiner Welt, doch nun geht es nicht mehr. Immer wieder flüstern sie mir grauenhafte Dinge ins Ohr, immer wieder bringen sie mich an den Abgrund der Verzweiflung.

Ich stehe auf und gehe ins Bad. Im Spiegel sehe ich mich, so wie ich bin. Die Stimme flüstert weiter, sie sagt, schau dich nur an, wie jämmerlich und erbärmlich du bist.

Ich drehe mich vom Spiegel weg, hoffe dass die Stimmen verschwinden, doch sie lachen nur.

Die Uhr zeigt mir wie spät es ist. Schnell putz ich Zähne, kämme die Haare, ohne noch einmal in den Spiegel zu schauen.

Die Stimmen sagen, schau hin, sie dich an, doch ich traue mich nicht. Ich will nicht, denn sonst wird es nur wieder schlimmer.

Ich stürme aus dem Bad, zieh mich an, hole meine Sachen und schließe hastig die Tür hinter mir zu.

Nun sitze ich im Auto, denke darüber nach wie schrecklich meine Existenz ist. Schnell mache ich das Radio lauter, so laut, dass mir fast das Trommelfell platzt. Die Stimmen verschwinden, machen Platz für normale Gedanken. Endlich, ich habe es geschafft und mache das Radio leiser. Ein Lächeln zeigt sich auf meinem Gesicht, ich habe gewonnen, doch für wie lange? Wann kommen sie wieder? Man kann diese Stimmen ausblenden, doch man wird sie nie wirklich los. Ich kämpfe schon seid vielen Jahren mit ihnen, doch jedes Mal werden sie lauter, eindringlicher, ich weis nicht, wie lange ich ihnen noch standhalten kann.

Ein kleiner Wald erstreckt sich vor mir. Ich sehe auf die Straße, konzentriere mich, doch die Stimmen sind wieder zu hören.

Sieh dir diesen Baum an, wäre es nicht ein Segen gegen ihn zu fahren und deine jämmerlich Existenz zu beenden?

Ich fahre weiter, versuche die Stimmen zu ignorieren. Ich sage mir selber, ich bin stärker als ihr. Die Stimmen lachen. Ich will es nicht hören. Ich will es nicht denken, nicht fühlen. Ich will nicht daran erinnert werden, was ich den anderen Menschen mit meiner bloßen Anwesenheit an tue. Wieder lachen die Stimmen.

Du wirst uns nicht los, wir sind die Stimmen aus deinem tiefen Inneren. Wir wissen, wie du wirklich bist, was du wirklich denkst und fühlst. Du brauchst dich nicht verstellen, wir kennen dich.

Nein, so bin ich nicht. Ich weiß wer ich bin.

Rede es dir nur weiter ein. Deine kleinen Lügen werden dir nicht helfen. Du kannst uns nur zum verstummen bringen, in dem du dein Leben beendest.

Nein, das tue ich nicht. Ich bin stärker als ihr, ihr könnt mich nicht so weit treiben.

Endlich bin ich angekommen und müsste aussteigen, doch ich bleibe sitzen. Starre vor mich hin, ziehe meinen Kopf ein, halte die Ohren zu, fange an zu weinen.

Ich will das nicht, schreie ich tief in mir drin. Ich will nicht denken, ich will nicht fühlen, dann verschwinden sie vielleicht.

Das Gesicht nass, die Augen rot, so kann ich nicht aussteigen.


Wenige Minuten später habe ich mich wieder im Griff.


Ich sehe in den Spiegel und überprüfe meine Augen, denn niemand soll sehen, dass ich geweint habe.


Stumm steige ich aus, gehe an meinen Arbeitsplatz, fange an zu arbeiten. Immer noch lachen mich die Stimmen in meinem Kopf aus.


Wieso arbeitest du? Wäre es nicht viel schöner zuhause im Bett zu liegen und im Selbstmitleid zu ertrinken? Dich endlich aufzugeben?


Ja, ihr habt recht, es wäre schöner, es wäre einfacher, aber den Gefallen tu ich euch nicht.


Tu nicht uns den Gefallen, tu ihn dir selbst. Wir sprechen nur aus, was du denkst.


Nein, mein ganzes Leben höre ich euch schon. Ich werde nie das machen, zu dem ihr mich verleiten wollt.


Wieso waren die Stimmen eigentlich wieder da? Es gibt Zeiten, da höre ich ewig keine Stimmen in mir. Aber ich weis, wieso sie mich wieder quälen. Weil etwas vorgefallen ist und ich mich selber dafür bestrafen will, da es sonst keiner tut. Diese Stimmen sind eine Strafe, die ich mir selber aufbürde. Zudem haben sie recht, sie sagen dass, was ich selber fühle und denke. Ich bin so erbärmlich, kann mich selber nicht wirklich leiden. Ich lache, doch eigentlich lache ich über mich selbst. Die Stimmen haben recht, ich bin wirklich jämmerlich.


Du bist schlecht, du bist gemein, du hast die Wahl. Willst du wirklich so weiterleben?


Halt, ich darf ihnen nicht zustimmen, genau das wollen diese fürchterlichen Stimmen. Ich muss ihnen widerstehen, ich bin nicht so. Ich bin ein guter Mensch, jeder Mensch macht Fehler, aber das bedeutet nicht, dass man schlecht ist.


Ich tippe auf dem Computer herum, erfülle meine Aufgaben, doch tief in mir drin wütet ein Kampf, den keiner sieht.


Hört auf, lasst mich in Ruhe!!! Schreie ich tief in mir drin.


Ich bin verzweifelt, doch auf meinem Gesicht zeichnet sich dieses falsche Lächeln ab. Das, was alle sehen können, doch keiner versteht. Ein Mitarbeiter kommt zu mir, fragt mich etwas. Ich lächle, antworte ihm. Zeige ihm nicht, wie ich mich fühle. Es ist schrecklicher als alles andere, dieses Lächeln aufrecht zu erhalten. Ich will weinen, zusammenbrechen, aufgeben, doch ich tue es nicht.


Der Mann bedankt sich und geht, ich bin wieder alleine an meinem Tisch. Höre auf zu lächeln, vertiefe mich in die Arbeit. Sehr gut, wenn ich arbeite, können die Stimmen nicht lauter werden. Momentan sind sie nur ein leises Flüstern. Ich konzentriere mich auf die Geräusche meiner Tastatur, ich bin froh, endlich habe ich Ruhe, endlich sind diese Stimmen nicht zu hören. Aber ich weis, sie warten, sie lauern, bis es mir wieder schlechter geht.


Ich kann für einen kurzen Moment wieder Ich sein, fange sogar an zu lächeln, ehrlich und wahrhaftig, kein künstliches. Ich spaße mit meinen Kollegen, lache über ihre Witze, gebe meinen Senf dazu. Ich bin ausgelassen, etwas fröhlich, genieße es, denn bald wird es vorbei sein.


Es ist Nachmittag, meine Kollegen sind fast alle weg. Ich räume meinen Arbeitsplatz auf und summe ein lustiges Lied dabei.


Nun verlasse ich meine Arbeit und gehe zum Auto.


Ich bleibe stehen, nur ganz kurz und denke nach. Den ganzen Tag haben mich die Stimmen in Ruhe gelassen, würden sie nun wiederkommen, wenn ich in das Auto steige? Ich zögere, steige dennoch ein und fahre los.


Keine Stimmen, nur meine eigenen klaren Gedanken. Erleichterung kommt in mir auf, habe ich es geschafft? Ist der Kampf gewonnen?


Ich fahre los, immer noch keine Stimmen, eine seltsame Stille breitet sich in mir aus. Es fühlt sich toll an, ich genieße diese Ruhe in Mir.


Mein Handy klingelt, eine Nachricht. Ich lese sie, völlig banal, einfach nur eine Erinnerung zum Einkaufen von meinem Freund.


Plötzlich verschwimmt die Sicht vor mir, ich weine. Wieso weine ich? Wieso zum Teufel weine ich? Ich habe keine Ahnung, es kommt einfach über mich.


Eine rote Ampel, ich halte an, versuche wieder Herr meiner Gefühle zu werden, wische die Tränen weg. Meine Augen sind rot, ich kann es nicht kontrollieren, immer wieder kommen Tränen aus meinen Augen.


Grün, ich fahre weiter, wische immer wieder meine Tränen weg. Ich halte auf dem Parkplatz eines Supermarktes an, weit weg von den anderen Autos. Ich mache mein Auto aus, ziehe den Schlüssel ab, denke nach. Ich bleibe sitzen, will nicht aussteigen, dann würde jeder sehen, dass ich geweint habe. Ich will nicht, dass die anderen meinen Gefühlsausbruch bemerken, ich bin überfordert, was mache ich? Wieder verschwimmt meine Sicht unter Tränen, was ist hier los? Ich lege meine Arme auf das Lenkrad, platziere mein nasses Gesicht darauf, damit mich niemand sieht. Immer mehr Tränen laufen über mein Gesicht, ich schluchze, dabei müsste ich doch glücklich sein? Den ganzen Tag waren keine Stimmen zu hören, selbst jetzt höre ich sie nicht. Ich schreie innerlich, randaliere, wieso weine ich? Wieso weis ich nicht weiter? Es gibt keine Grund dafür. Ich spüre Hoffnungslosigkeit, Angst, mein Inneres ist aufgewühlt, wieso?


Wieder trockne ich meine Tränen, atme tief ein und aus, warte bis die roten Augen verschwunden sind, steige aus. Ich gehe in die Kaufhalle und kaufe ein, tu so als sei nichts passiert, kämpfe aber immer noch gegen die Tränen, gegen die Traurigkeit.


Was ist los mit dir? Wieso so traurig? Wieso so mutlos? Hast du endlich die Wahrheit über dich selber herausgefunden? Sieh dich doch an, so ein kleines Häufchen Elend, wann gönnst du dir endlich Frieden, wann ziehst du einen Schlussstrich, wann?


Ich weis es nicht, sollte ich einen Schlussstrich ziehen? Ich bin müde vom Kampf, ich will nicht mehr, es soll endlich aufhören.


Du weißt wie du es beenden kannst.


Ich weis wie ich es beenden kann...


Ich gehe an die Kasse, denke immer noch über diese Worte nach, bezahle und gehe zum Auto.


Ich schließe das Auto auf, halte inne, sehe in der Scheibe mein Spiegelbild an. Es ist komisch, mein Spiegelbild ist nicht mein eigenes, aber welches ist es dann? Bin das nicht Ich? Es ist so verschwommen und angsteinflößend.


Das bist du und wirst du immer sein. Sieh dich an, so müde, so ausgelaugt. Hol dir deinen Frieden, deine Ruhe. Sie gehört dir, du musst sie nur ergreifen.


Mein Spiegelbild lächelt, ich fasse in mein Gesicht, kann dieses Lächeln nicht erfassen.


Ich steige in das Auto und hole tief Luft.


Du weißt was du tun musst.


Ich weis was ich tun muss. Ich nehme meine Handy, schreibe eine kurze Nachricht an meinen Freund.


Es tut mir leid, ich bin zu müde um zu kämpfen. Es hat keinen Sinn mehr, ich will nicht mehr. Leb wohl ....


Das Auto startet, ich verlasse den Parkplatz, schaue in den Rückspiegel. Hinter mir sitzt eine Gestalt, die genauso aussieht wie ich. Sie lächelt triumphierend, nickt mir zu, dann verschwindet sie. Ich nicke, weis was ich als nächstes tun muss. Ich bin müde, will Ruhe, will Frieden, es ist zum greifen nahe.


Nun höre ich keine Stimmen mehr, sehe ganz klar, sehe wer ich bin. Verstehe mich selber besser, weis das es keinen anderen Weg gibt um dem zu entrinnen. Ich lächle, die Stimmen sind für immer verstummt, ich habe so lange durchgehalten wie ich konnte. Der Kampf war von Anfang an aussichtslos, früher oder später wäre es sowieso dazu gekommen.


Ich höre ein Auto hupen, jemand schreit mich an, ich schließe meine Augen und warte auf die absolute Ruhe ...



Ende

22. Mai 2022 20:30:02 0 Bericht Einbetten Follow einer Story
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Das Ende

Über den Autor

Lysann Blackmoon Hallo und Willkommen. Ich freue mich immer über Likes und Kommentare :)

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