rebecca-wolff Rebecca Wolff

Rose Diana hatte ein sehr bitteres Leben.


Kurzgeschichten Nicht für Kinder unter 13 Jahren. © Eigenes Werk.

#verloren
Kurzgeschichte
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Teil 1.

Ennio. Wenn ich heute noch an ihn dachte errötete ich bis an die Haarwurzeln. Er war so unglaublich mutig und schön gewesen. Doch die Zeit mit Ennio war kurz gewesen und die schönste Zeit meines Lebens gewesen bis zu jenem Abend in der die Zeit mit ihm endete. Inzwischen war ich sehr alt doch etwas musste ich noch zu Ende bringen bevor ich meinen letzten Atem aushauchen würde nämlich die Wahrheit zu sagen was damals in jener kalten Januar Nacht die in den Februar überging passiert war über das worüber ich nie hatte reden wollen weil es mich so geschmerzt hatte, über das was meine Kinder nicht wussten. Ich hatte es ihnen verschwiegen und sie dachten ja bis heute noch das Emanuel ihr Vater gewesen war. Doch Emanuel lebte inzwischen seit zwei Jahren auch nicht mehr. Er war alt geworden. Sehr alt da er ja ein paar Jahre älter als ich gewesen war. Meine Tochter trat an mein Bett. Ich lag im Krankenhaus. Luftröhre waren in meiner Nase und Mund da ich sonst keine Luft bekommen konnte und ich fühlte mich schwach und sehnte mich nach etwas mit aller Macht nämlich endlich zu sterben, aufhören müssen die steifen schmerzenden alten Glieder mit mir herum tragen zu müssen, aufhören an all das Leid zu denken was mein bitteres Leben gewesen war,- wie mein Leben geschmeckt hatte und hoffentlich meinen Ennio endlich wieder sehen zu können. Nicht hier aber woanders. Mein Leben hatte nach Kälte und Einsamkeit geschmeckt und war trostlos gewesen. Wenn Annabella und Thorsten nicht geboren wären die mir sehr viel Halt durch ihre Anwesenheit gaben für die ich gekämpft hatte, - ohne sie hätte ich mir wahrscheinlich schon längst das Leben genommen. Ich liebte meine Kinder. Ich würde sogar mein Leben opfern um sie zu retten. Ich hatte nie jemanden gehabt außer den beiden. War im Waisenhaus aufgewachsen und kannte nur Elend und Geld hatte ich auch nicht im Überfluss besessen. Ich hatte auch keine Gelegenheit zu einer Ausbildung bekommen und hatte mich in meinem Leben mit nur ein paar Jobs durchschlagen bis ich Emanuel kennen gelernt hatte. Doch eines hatte das Leben mich gelehrt, jemand der im Regen mit einem lauthals und innig weinte und im Sonnenschein mit einem sich sehr freute der hielt zu einem. Doch leider hatte mich mein Leben auch gelehrt was mein Mann, Ennio Cupert aus mir gemacht hatte den ich noch bis heute liebte und den ich noch immer sehr vermisste. Meine Tochter trat ins Zimmer. Sie war groß, dunkelblond, schlank und sah aus wie Ennio. Besser gesagt sie war ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich. Ihr Mann und sie besaßen eine kleine Firma im Schwarzwald. Ich fing an ihr von damals zu erzählen, schwerfällig aber es ging wobei es mich wieder in eine andere Zeit zog die ich so liebte. Ennio wurde mir abermals bewusst war meine große Liebe gewesen. Es würde ihn einfach nicht zweimal geben. In die Zeit zog es mich mit Ennio und als Annabella und Thorsten noch sehr klein waren. Ennio war an jenem Abend spät nach Hause gekommen. Er war am Strand spazieren gegangen und als der Sturm gekommen war, war er nach Hause gekommen. Sein dunkles Haar war durchnässt und seine Klamotten waren nass. Er zog sich oben in unserem Schlafzimmer um, ging die Treppen hinunter und sah mich an. "Diana", sagte er mit seiner selbstbewussten Art die ich an ihn so liebte. "Ich muss dich leider verlassen. Komme aber im Frühling wieder zurück." Er strich mir sanft übers Haar und sah mir in die Augen. Er trat näher, schließlich zog er mich an seine Brust und wog mich sanft. Dann zog er mich wieder von sich und sagte während ich die Tränen in seinen Augen glänzen sah und wusste dass er überhaupt nicht gehen wollte in dieser stürmischen regnerischen und unheilvolllen Nacht sondern lieber bei uns im warmen Haus bleiben wollte. "Wann genau kommst du wieder?", fragte ich mit Tränen erstickter Stimme. Ich hasste es wenn er immer fort ging als Kapitän auf See. Draußen tobte der Sturm und das Meer schlug lauthals gegen die Brandung. Der Sturm ächzte in den Dachbalken des alten Herrenhauses von dem alten Ehepaar Cupert. Ennios Eltern. "Im Frühjahr. Am 1 April wahrscheinlich jenachdem. Ein Kapitän", er schmunzelte verlegen. "Weiß nie ob er pünktlich zurück ist, das weiß die See doch ich werde versuchen pünktlich zurück zu sein und das wird auf jeden Fall meine letzte Fahrt als Kapitän sein. Das verspreche ich dir, Diana." Ennio drückte mich nochmals fest an sich wobei ich sein gut richendes vertrautes Rasierwasser roch was ich so liebte. "Wir fahren in zwei Tagen womöglich in drei wenn wir dann sicher sind das der Sturm vorbei ist. Doch du weißt dass ich vorher immer in die Stadt muss um dort schon alles vorzubereiten." Wir umarmten uns innig und lange und küssten uns noch zum Abschied auf den Mund. Annabella und Thorsten schliefen oben. Ich sah Ennio noch lange und vom Küchenfenster aus nach und sog seine große kräftige Gestalt in mir ein bis sie in der Dunkelheit verschwunden war. Doch im April kehrte kein Ennio mehr zurück, auch nicht verspätet im Mai. Er wurde zuerst als vermisst gemeldet bis heraus kam dass seine Fracht gekentert war und jegliche Hilfe an Bord viel zu spät gekommen war. Ich wurde eine sehr traurige junge Witwe und zog sogar noch schwarz an als zwei Jahre schon längst herum waren bis zu dem Zeitpunkt wo ich Emanuel kennengelernt hatte und ich ein bisschen fröhlicher wurde doch ich war nie wieder die fröhliche junge Rose von damals. Ennios Tod hatte in mir ein großes Loch hinterlassen von dem ich auch nie sprach und nicht sprechen wollte. Kurz nach der Nachricht dass das Schiff gekentert sei, warfen uns die alten Cuperts aus dem Haus raus und ich kämpfte mich mit kleinen Arbeiten in Gärtnereien durch bis ich immer mehr in kleinen Firmen mithalf und mir etwas dazu verdiente. Als ich nun schwieg sah Annabella mich mit großen Augen an. "Oh Mama, war mein Papa wirklich ein Kapitän. Ich fass es ja nicht." "Ja das war er", murmelte ich. Noch was hatte das Leben mich gelehrt nämlich wenn man etwas wollte musste man alles dafür tun und nicht wie in einem anderen Bezug jetzt zum Beispiel Ennio, wenn es erst zu spät war. Das Leben war hart genug und man musste egal wer ging weiter gehen, weiter leben und nach vorne schauen sonst war man verloren.





2. März 2022 12:51:11 0 Bericht Einbetten Follow einer Story
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Das Ende

Über den Autor

Rebecca Wolff Rebecca Wolff ist auf der schwäbischen Alb geboren, wohnhaft im Kreis Stuttgart. Schreiben ist ihr Hobby. Es ist wunderbar in die Welt des Schreibens einzutauchen und auch zu lesen. Sie denkt gerne über den Sinn des Lebens nach, hinterfragt auch vieles. Ihre eBooks beschreiben meistens das Leben.

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