eva-diez Eva Diez

Der Erzähler führt den Leser in ein Cafe in irgendeiner Gasse, irgendeiner Stadt, irgendeines Landes. Die Menschen, die er uns vorstellt, sind ihm gut bekannt. Er kennt ihre Gewohnheiten, ihre Geschichte, ihre Vorlieben, ihre Gedanken und ihre tiefsten Geheimnisse. Es sind Menschen, wie Du und Ich, wie Er und Sie. Sie leben ihr Leben, wie ein jeder von uns. Doch erst durch die Aufmerksamkeit, die der Erzähler ihnen gibt, werden sie interessant. Und da ist noch Zoe. Keiner weiß woher sie kommt, keiner hat sie bisher gesehen, nicht mal der Erzähler. Doch sie kennt sie alle. Und auch sie schaut tief in ihre Seele.


Drama Nicht für Kinder unter 13 Jahren. © Eva Gisela Diez

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11:45 Uhr


An diesem Morgen um 11:45 Uhr betritt Herr Bersch das Café.

Dieses Café befindet sich im ehemaligen Studentenviertel einer ganz bestimmten Stadt, deren Namen ich Ihnen aus gewissen Gründen nicht mitteilen möchte. Noch nicht. Vielleicht auch nie.

Das Café befindet sich in einem Stadtteil, das schon seit vielen Jahrzehnten hauptsächlich von Studenten bewohnt ist. Irgendwann mal hatten sich nach und nach auch Anarchisten angesiedelt. Später kamen die Drogenhändler mit ihren Abnehmern dazu. Nichtsdestoweniger ist das Café ein Treffpunkt für Intellektuelle und Menschen geworden, die sich an der Kultur erfreuen. Auch für diese, denen politische Austausche das Lebenselexier selbst ist und auch diejenigen, die sich im Leben an Wissen bereichern möchten, ist dieses Cafe einfach genau das Richtige. Glauben Sie es mir.

Den Eingang des Cafés findet man in einer kleinen Nebengasse, welche runter zum großen Platz führt, da, wo die Busse halten und die Drogendealer ein- und aussteigen. Wenn man die kleine Gasse nach oben laufen würde, dann käme man auf eine viel befahrene Straße, die einen zum Zentrum der Stadt bringt.

Die kleine Gasse ist etwas schmucklos. Einige Bäumchen schmücken links und rechts den Bürgersteig. Die Fassaden der Wohnhäuser sind schon grau von den Abgasen der Autos. Die Balkone sind schmal und haben wenig Licht, da die Gasse auch schmal ist. Wohnen würde ich hier nicht gerne. Sie wahrscheinlich auch nicht.


Aber schauen wir auf Herrn Bersch, mit ihm fängt meine Geschichte an. Er weiß es nicht, der gute Mann, dass ich viel über ihn weiß.

Herr Bersch kommt fast jeden Tag hier vorbei. Und wenn einer der vier Tische an den zwei großen Fensterscheiben, die auf die Straße schauen, frei ist, dann können Sie davon ausgehen, dass Herr Bersch sich an die große Glasscheibe mit Blick auf die enge Nebengasse, die runter zum Platz führt, setzen wird. Herr Bersch liebt Rituale.


'Naja,' denkt sich Herr Bersch an diesem Vormittag. ' Das ist nun mal unsere neue Welt. Und es ergibt keinen Sinn sich darüber aufzuregen. Schön ist es nicht, aber schauen wir mal, ob wir trotzalldem etwas Nettes daran finden können.'


Mit diesen Gedanken zieht er sich seinen graublauen Übergangsmantel aus und legt ihn über einen der vier Stühle, an seinem ausgewählten Tisch.

Das Wetter ist für diese Zeit noch etwas frisch. Am Vormittag benötigt man noch etwas Wärmeres, was man aber im Laufe des Tages ablegen kann, da dann die Sonne alle Objekte wunderbar aufwärmt.

Herr Bersch liebt die Wärme. Bei jedem Sonnenschein rennt er geradezu aus seiner Wohnung raus, um soviele Sonnenstrahlen wie möglich einzuhaschen.

Seine Urlaube verbringt er deswegen auch meistens in Griechenland, auf irgendeiner Insel im Ägäischem Meer. Wenn das Geld ihm natürlich ausreicht. Und das tut es nun mal nicht immer.


'Seit der Finanzkrise ist Griechenland in manchen Sachen etwas billiger geworden, jedenfalls für die Touristen. Die armen Griechen können sich immer noch nichts leisten, während wir als Deutsche, können in Griechenland gut protzen mit unserem Geld, welches uns hier in Deutschland nicht wirklich immer ausreicht' , geht es Herrn Bersch durch den Kopf. Und er fragt sich, ob die weltliche Kapitalverteilung ungerecht ist und wie es aussehen würde, wenn die Deutschen mal nichts mehr hätten.


Herr Bersch ist Griechenland Enthusiast und das schon seit den Siebzigern. Nachdem die Diktatur dort erfolgreich beendet wurde, reist er immer wieder dort hin. Einmal, als sehr junger Mann, war er auch für mehrere Monate dort geblieben, auf Kreta, zur Olivenernte und später, als die Oliven-Saison zu Ende war, pflückte er Orangen im Süden von Kreta. Unterkunft hatte er mit einigen anderen Touris in einer alten Baracke gefunden, etwas außerhalb von Alikianos, da wo vor einiger Zeit die hundertjährige Brücke aufgrund von starkem Regen eingestürzt ist. Als er dies vor ein paar Tagen in den Nachrichten las, musste er an seine Zeit von damals zurück denken. Das ist ihm heute morgen wieder durch den Kopf gerauscht, als er die Sonne hatte scheinen sehn und er sich schnurstracks auf den Weg nach draußen machte.

Noch im Stehen und denkend über die weltliche Kapitalverteilung, schaut Herr Bersch sich nach der Bedienung um.

‘Ob es wohl die nette Dunkelhaarige ist, die heute Schicht hat’, fragt er sich und kneift sich die Augen etwas zusammen, um besser sehen zu können. Er hatte heute morgen in aller Eile seine Brille nicht aufgesetzt. Dummerweise hatte er es erst bemerkt als er schon unten auf der Straße stand, hatte dann aber keine Lust mehr gehabt die Treppen noch mal hoch in den fünften Stock zu steigen. Dem alten Lift traut er nicht wirklich. Den nimmt er nur, wenn er einen Großeinkauf machen muss. In diesem Fall aber, spricht er sich vorher mit Frau Klingel ab, seine Nachbarin, ob die dann auch zu Hause ist um ihn gegebenenfalls zu retten.
Bei diesem Gedanken muss er etwas lachen. ‘Ob die ihn wirklich aus so einer Situation retten könnte?'
Den Gedanken kann er nicht weiter ausspielen, denn schon steht die Bedienung bei ihm an Tisch. Und es ist nicht die Dunkelhaarige, die er so mag


'Schade eigentlich,' meldet sich sein Kopf wieder. Er mag dunkelhaarige Frauen mit etwas dunklerem Teint.

Einmal hatte er sich in eine Griechin verliebt und hatte doch wirklich daran geglaubt, dass er, der Deutsche, sie für sich gewinnen konnte. 'Das war auf…, er musste eine kleine Prise Überlegung streuen, ' auf Leros….genau auf Leros war es !'
Herr Bersch fängt an sich in Tagträume zu verlieren und hat für einen Moment die Bedienung vergessen.


Sie ist neu. 'Hätte sie keine leuchtenden blaue Augen, wäre sie so unscheinbar wie diese Straßenköter, die in der ganzen Stadt herum laufen,' bei diesem Gedanken musste Herr Bersch wieder lächeln, 'Straßenköter mit blauen Augen! Köstlich!' Auf seinen Witz ist er ganz stolz.

Herr Bersch hat es sich zur Gewohnheit gemacht, Menschen in die Augen zu schauen . Als er auch dies bei der Bedienung tut, hat er das seltsame Gefühl, sich für einen Moment im Universum zu verlieren.

‘Uch! Befremdentes Gefühl’, sind seine ersten Gedanken und bestellt derweil schnell seinen geliebten Lapsang Souchong Tee bei der Neuen.


Als die Bedienung geht, schaut er ihr nach. Sie trägt ihr hellrötliches Haar etwas länger, so ein paar Zentimer über die Schulter und offen. Die Haare haben keinen besonderen Glanz. Doch was vor ein paar Minuten noch als unscheinbares Wesen für Herrn Bersch gegolten hatte, bzw. sogar blauäugiger Straßenköter, bei diesem Gedanken muss Herr Bersch doch noch mal lächeln, verwandelt sich 'der Straßenköter' in etwas Hochbesonderes, für was Herr Bersch in diesem Moment aber keine Worte mehr findet, denn sein Blick verfängt sich in den Augen eines Mannes, der in einem kleinen Abstand von der großen Glasscheibe, draußen auf der Straße steht und in das Café hineinschaut.
"Mmh?!" stößt Herr Bersch durch die Nase aus, während der Brummlaut schon fast durch seine Halswand dröhnt, was so etwas wie ' was ist denn das nun?' heißen kann.
Die Blicke der beiden Herren halten sich für ein Moment fest und lösen sich wieder, indem Herr Bersch das Beäugen von dem anderen Herrn als aufdringlich empfindet und deswegen wegschaut. Im Augenwinkel sieht er jedoch, dass der Herr bis zur Tür geht, noch einmal innehält und dann aber das Café betritt.


Das ist Herr Quebbemann. Und der ist weder an der Bedienung interessiert noch an Herrn Bersch, jedenfalls noch nicht in diesem Moment. Und ob später es anders sein wird, müssen wir erst mal sehen. Das Ganze hat ja noch sehr viel Entwicklungspotential.


Ich verrate Euch schon Mal etwas, bevor Ihr selber darauf kommen werdet. Herr Quebbemann ist homophil. Und er hat heute ein Date mit einem jungen Mann aus dem Internet. Heute und hier in diesem Cafe, in dieser Stadt. Mal schauen was sich daraus entwickeln könnte.


Herr Quebbemann, der mit Vornamen Henry heißt, kennt sein Date nur von einem Foto aus dem Internet. Naja, so fangen ja alle Internetbekanntschaften an. Man schreibt sich und wenn man sich weiter nett findet, werden Fotos ausgetauscht. Ich denke mir, bestimmt nur die schönsten. Und dann wird es erst richtig interessant. Das erste Treffen. Wo und wie. Kann man die Person vom Internet-Foto erkennen ? Vielleicht sollte man etwas markantes tragen? Wie wäre es mit einem blauen Halstuch? Oder orangefarbene Turnschuhe?
Und dann kommt die große Frage: Das was man sich beim Schreiben erträumt hat, entspricht dies auch der Wirklichkeit? Kann man da anknüpfen, wo man beim Schreiben und beim Träumen geblieben war? Oder würde man am liebsten aufstehen und den Ort verlassen, schon allein beim ersten Blick auf die selbst erstellte Traumgestaltung? Oder spätestens dann, wenn er, oder sie, anfängt etwas zu sagen, wo einem schon nur alleine bei der Stimmlage das Kotzen kommt? Oder, gibt man ihm, oder ihr, etwas Zeit, und merkt dann, dass das alles nur mal wieder nur ein Wunschdenken war. Die Sehnsucht danach, nicht mehr alleine zu sein, hatte schon wieder mal über die Vernunft gesiegt.
Ist das Ihnen auch schon Mal passiert? Dann kann ich Sie nur beruhigen. Nein, Sie sind nicht der Einzige oder sollte ich besser die Einzige sagen? Oder sogar das Einzige?
Aber lassen wir Sie und alle per-Internet-nach-Liebe-Suchende mal so stehen und wenden uns wieder Herren Quebbemann zu.


Dieser versucht nun wachsam durch die große Glasscheibe des Cafes den jungen Mann wiederzuerkennen, mit welchen er sich im Internet verabredet hatte. Falls er natürlich hier schon sitzen würde. Dabei schaut sich Herr Quebbemann eindringlich aber doch verdeckt die Gesichter der Kunden an, die hier im Café sitzen .

Denn Herr Quebbeman ist in keiner Weise darauf bedacht jemanden aus seinem Bekanntenkreis jetzt und hier zu treffen.


Unter den von ihm Beschauten befindet sich natürlich auch Herr Bersch. Allerdings ist Herr Bersch für Henry Quebbemann im Moment vollkommen irrelevant und wenig attraktiv und ganz bestimmt nicht der junge Herr auf dem Internetfoto. Dafür ist Herr Bersch schon mal viel zu alt und ihm fehlt auch das gewisse Etwas. Das ist jedenfalls Herrn Quebbemanns Sichtweise.


Herr Quebbemann hat aber den Eindruck, dass der Herr hinter der Glasscheibe ihn etwas mehr als nur gehaltlos anschaue. Und er hat für einen Moment der Zeit die Befürchtung, für den Herrn hinter der Glasscheibe, Herrn Bersch, transparent zu sein. Transparent im Sinne, dass er entzifferbar ist. Und das ist ihm etwas unheimlich.
Es überkommt ihn mal wieder die Regung , dass es nicht einfach ist, schwul zu sein. Immer wieder muss er aufmerksam sein um nicht irgendetwas zu tun oder zu sagen, mit dem er zu sehr auffallen könnte. Auch was andere über ihn denken könnten, beschäftigt Herrn Quebbemann enorm. Es ist für ihn sehr unangenehm von sich reden zu machen.
In den fünfundfünzig Jahren seines Lebens hatte er schon einiges an Mißachtung zu spüren bekommen, besonders von seinen Eltern, seit seine Mutter ihn damals, da war er kurz vor dem Abi, eines Nachmittags, eigentlich sollte sie gar nicht zu Hause sein, in sein Zimmer kam, dass er leider an diesem Tag nicht abgeschlossen hatte, und einen Blick auf seinen nackten Arsch bekam, während er, Henry Quebbemann, gerade einen Zehnklässler vögelte. Gerade in dem Moment, wo er aufjauchzen wollte, stürmte sie in sein Zimmer. Erst fing sie an zu kreischen wie eine Hysterische und dann nahm sie noch das, was ihr gerade greifbar war, und das war sein Gürtel, den er mit seiner Kleidung achtsam über den Stuhl gelegt hatte und drosch auf seinen nackten Hintern ein. Was sie und er damals noch nicht wussten, dass die Schläge ihn noch mehr erregten und er, während sie noch auf ihn eindrosch, beim Ejakulieren schon beinahe vor Freude zu singen anfing.

Das war ihm sehr peinlich gewesen, aber im nachhinein wusste er nicht, was für ihn schwerwiegender war, das beschämende Gefühl seinen Höhepunkt in diesem Moment gefunden zu haben oder der Höhepunkt selbst mit all seinem Gefühlsüberschwang.


Mit diesen Gedanken und anderen betritt Herr Quebbemann das Café. Er bleibt stehen und schaut um sich, ob er sein Date in der Kundschaft erkennen kann. Er schaut nach rechts, wo der Herr sitzt, der ihn vor wenigen Sekunden durch die Glasscheibe beobachtet hatte oder sogar durchschaut hatte.
Von den Tischen bei der Theke ist nur ein Tisch besetzt. An der Theke selbst sitzt keiner.
Herr Quebbeman geht noch ein paar Schritte nach vorne und guckt weiter, ob er sein Date finden kann.

Rechts hinten in der Ecke sitzt ein Herr, der ausländerischer Herkunft sein könnte. Etwas vor ihm, sitzt eine gutaussehende Dame.
Er schaut sich diskret weiter um, kann aber keinen erkennen, den er für seinen Jüngling halten könnte.

Ich verrate Ihnen Mal was Henry gestern Abend noch sehr spät im Internet bei Mr. Google gesucht hat. Nämlich nach einem ansprechenden, doch auch unauffälligen Treffpunkt. Nach langer Suche, es war schon nach Zwölf Uhr Mitternacht, stieß er auf dieses Café in diesem Viertel. 'Genau das ist es,' schrie er laut vor Freude.' In diesem Viertel werde ich keinen meiner Bekannten treffen. Und keiner mich,' meinte er.

Das Cafe kannte Henry natürlich nicht, aber es kam ihm, der Internetbeschreibung nach, ansprechend vor. Das Stadtviertel kannte er auch nicht, vom Hören schon, aber auch nichts weiter.


Wenn es Sie interessiert zu wissen, Herr Quebbemann ist Manager von Beruf. Ungeachtet seines Andersrumseins, was ihn hin und wieder in Schwierigkeiten brachte, hat Henry sein Leben gut im Griff und hat es zu etwas gebracht, worauf er stolz ist. Sein Privates versucht er hartnäckig geheim zu halten, so gut es möglich ist, und sein Verdienst ist, nun ein angesehener Manager in einem angesehenen Unternehmen zu sein.

'Meine Kollegen würden eher weniger in diesem Viertel kreisen…', dachte sich Henry. Was Henry sich natürlich nicht dachte bzw. oder erst gar nicht in Betrachtung zieht, ist, dass viele Menschen solche Art von Gedanken hegen. Das ist so eine ganz interessante Sache mit dem Denken über andere.


' Es sieht so aus, als wäre er noch nicht da,' mit diesen Gedanken durchquert Herr Quebbemann das ganze Cafe und setzt sich in die hintere Ecke des Cafes, nicht weit entfernt von den Toiletten. Von hier aus hat er einen guten Überblick über das Café.

Er entlädt sich seinem Frock Coats in dunkelblau, eine Art von Gehrock aus dichter gewebter Baumwolle, und streichelt zart über diesen wunderbaren Stoff, bevor er ihn auf dem Stuhl neben sich ablegt.

Heute morgen hatte Henry sich gegen eine Krawatte entschieden. Ein dunkelblauer Seidenschal bedeckt dezent seinen schon etwas faltigen Hals, den er schon seit einigen Jahren immer mehr versteckt, da er ihm etwas mehr als peinlich ist.

Wenn Henry sich morgens im Spiegel betrachtet, dann wird es ihm ganz schwindelig, wenn er seinen Hals sieht.

Dieser ' verdammte Hals' erinnert ihn jeden Morgen an sein Alter. Und nicht nur das! Um so älter er wird, um so weniger Zeit verbleibt ihm noch zu vögeln.

Genau das denkt sich Herr Quebbemann, jedesmal wenn er sich an sein Hals fasst. Ebendaher vermeidet er penetrant sich an den Hals zu fassen. Außer wenn Henry sich die besondere Halscreme auf seine wenig glorreiche Hautpartie streicht. Der sanfte Rosenduft kostet seine Nasenhärchen, kitzelt seinen Geruchssinn und lässt seine Haut zu einer hässlichen Gänsehaut werden, da er die Erregung wittert, die seinen Körper und Gehirn unaufhaltbar ergreift.
Eigentlich könnte sich Henry auch eine etwas teurere Halscreme leisten, die etwas mehr Falten von seinem verrunzeltem Hals abtragen würde. Doch der dezente Rosenduft inklusiv seiner reizenden Folgen haben es ihm angetan.


Seine Arbeit mag Henry, ja und es war ihm wichtig, etwas Besonderes in seiner Arbeit zu sein. Eine gut bezahlte Arbeit, die ihm ein luxuriöses Leben erlaubt zu haben, ist schon eine tolle Sache. Aber Vögeln war genauso gut. Und es fällt ihm nicht immer leicht beide Prioritäten miteinander zu vereinbaren.


Ein weißes Sweat Shirt mit Rundhals-Ausschnitt und aus Bio-Baumwolle natürlich, darin konnte er sich ganz wohl fühlen. Lange hatte er heute Vormittag in seinem begehbaren Kleiderschrank gestanden, um das richtige Outfit zu finden. Nervös war er immer wieder durch seine 100 qm große Wohnung, die fast nur aus einem großen Raum bestand, gehuscht. In der offenen Küche brühte er sich aber und abermals frischen Kaffee auf, goß die Pflanzen die im großen Raum verteilt waren und von denen schon manche zur Decke reichten, legte sich zwischendurch auf seine Chaiselongue und zog an seine E-Zigarette mit NRG Tank, der für viel Dampf und guten Geschmack sorgte, um zur Ruhe zu kommen, was aber nicht so wirklich klappte. Sein bevorzugtes Liquid ist Cannabis mit Apfelstrudelgeschmack.
Er weiß, dass einige aus seiner Branche sich am Cannabis bedienen, andere versuchen es mit anderen legalen oder auch illegalen Drogen. Aber Henry bewertet so etwas nicht. Er hat sich überhaupt ein bewertungsfreies Leben angewöhnt. Jedenfalls versucht er dran zu bleiben. Seine Art zu leben und zu sein wurde schon genug von anderen Menschen bewertet, so dass er gut aus eigener Erfahrung reden kann, wie es sich anfühlt unermüdlicher Kritik ausgesetzt zu sein.


Hier, wo er sich nun hinsetzt, hat er die ganze Kundschaft des Cafes im Auge nebst der Eingangstür. Ein sofortiges Wohlgefühl überfällt Henry, vermischt mit Sicherheit und einem kleinen Hunger auf diese netten Fingerfoods, die schon vorbereitet unter einer Glashaube auf der Theke im Vorbeigehen ihm zugezwinkert hatten. Avocado-Chilitaler mit Rote Beete-Chips, liest er auf der Menükarte, und Lachs-Frischkäse-Häppchen. In Gedanken an diese Köstlichkeiten leckt er sich seine Zeige- und Mittelfinger ab, eine Angewohnheit aus seiner Kindheit, die er sich erworben hatte, um einen tieferen Einblick in die Welt der Geschmäcker zu bekommen und somit hatte Henry Quebbemann seine Geschmacksknospen multiplizieren können, was nur wenigen Menschen gelingt. Gleichzeitig beim Fingerlecken, beißt er sich leicht in seine Fingerkuppen, was ihm eine leichte Erregung ermöglicht. Was er auch sehr mag.


Als die Bedienung kommt, fallen ihm ihre tiefblauen Augen auf. ‘Ein Hauch vom Pazifik’, überkommt es ihm und er lächelt sie an. Zoe lächelt zurück und schaut tief in seine Augen und seine Seele.

“Guten Morgen, Herr Quebbemann. Was wünschen Sie sich? Die Fingerfoods, stimmts? Die mit Avocado und Roter Beete und bestimmt auch die Lachs-Frischkäse-Häppchen. Die schmecken wirklich lecker.”


Herr Quebbemann schaut in den weiten und tiefen Pazfik und versucht zu verstehen was gerade hier geschieht. Zoe hat gerade eben seinen Namen genannt und darüber hinaus gewusst, nach was seine Geschmacksknospen verlangen. Doch um so länger er in den Pazifik schaut, um so mehr verschwindet im Meer sein Verstand und sein Erkenntnissvermögen.


Zoe gibt ihm auch keine Zeit nachzufragen, falls er dies beabsichtigen würde, was er aber auch gar nicht tut , und verschwindet so plötzlich wie sie gekommen war. Henry nagt noch immer an seinen Fingerkuppen, zu einem Drittel in einer pazifischen Gedankentiefe versunken, zu einem Drittel erfüllt von einer geschmacklichen Vorfreude über die Fingerfoods und zu einem Drittel erregt über sein leichtes Fingerkuppenbeißen, als in diesem Moment ein Mann das Café betritt und sich umschaut.










2. Dezember 2021 20:50:04 1 Bericht Einbetten Follow einer Story
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Lesen Sie das nächste Kapitel 11:49 Uhr

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PL Peter Lorenz
Herrlich, man möchte nicht wieder aufhören zu lesen, voller Überraschungen.
December 02, 2021, 22:29
~

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