rebecca-wolff Rebecca Wolff

Angelika wird erst später bewusst dass es viele verschiedenen Wege gibt, die man im Leben einschlagen kann.


Kurzgeschichten Nicht für Kinder unter 13 Jahren. © Eigenes Werk

#inkspiredstory #Warum #ausgerechnet
Kurzgeschichte
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Teil 1

Pieter war anders. Seine oberflächliche Art gefiel mir nicht sonderlich. Eines wusste ich, ich mochte ihn doch er mochte mich nicht. Seine arrogante Art ärgerte mich. Bei der Arbeit sah ich ihn, in der Mittagspause wo er sich immer mit dieser blonden Arbeitskollegin traf, beim Parkplatz nach der Arbeit und morgens und abends beim stempeln. Ich fing an hinter Pieter zu reden und mich ein wenig lustig über den dunkelbraunhaarigen Mann mit den hellblauen ernsten Augen, dem gutaussehendem Gesicht und der großen kräftigen Statur zu machen. Wir nannten ihn den weiß - ich - doch -alles - besser - Mann und eine Arbeitskollegin lachte wie verrückt als er in der Pause wieder mit Diana vorbei ging. Die blonde große junge Frau war in ein Gespräch mit ihm verwickelt und wir hatten Pause. Sie stieß ihn scherzend an und lachte über irgend etwas und er lächelte auch. Er bemerkte uns gar nicht. Diana auch nicht. Waren die zwei denn gerade zusammen oder warum liefen sie immer gemeinsam spazieren, hatten sie ein "gemeinsames heimliches Stündchen" hinter sich oder was ging da vor? Langsam wurde ich sehr eifersüchtig. Vor allem auf Diana, sie war doch immer mit ihm zusammen. Sie.Den Tränen nahe starrte ich Pieter an. Da schien er mich auf einmal zu bemerken. Er hatte mich bis jetzt immer ignoriert. Bis jetzt immer, bei der Arbeit, in der Mittagspause, beim Parkplatz, beim an und abstempeln und jetzt sah er mich an. Sah mich nur an. Mit diesen ernsten klugen Augen. Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. Die nächsten Tage versuchte ich Diana das Leben zur Hölle zu machen, - was ich nebenbei bemerkt nicht hinbekam - da sie die Tochter des Firmen Chefs war. Ich versuchte sie böse an zu starren doch sie sah mich nicht an. Sie hielt sich ja immer für etwas besseres.Versuchte Pieter schöne Augen zu machen was einfach nicht klappte. Machte mir mit meiner Eifersucht das Leben zur Hölle und brach mir beinahe den Hals als ich auf dem noch nicht fertigem Nähtuch ausrutschte welches auf einmal auf dem Boden lag und sah wie Pieter sich abgeneigt und kopfschüttelnd abwandte und das Tuch in die Hände nahm, jemand anderem auf den Arbeitsplatz legte und irgendwas wie "Passen Sie doch auf", murmelte. Ich hassteihnund noch mehr Diana. Noch in derselben Woche kündigte ich mit der Lüge dass ich woanders Arbeit gefunden hatte. Zur ungefähr derselben Zeit erfuhr ich etwas in der Zeitung was mich sehr ärgerte, Pieter war aufgrund der Altersrente des früheren Chefs Geschäftsführer der Nähfirma geworden in der ich gearbeitet hatte. Der Pieter bei dem ich nieeine Chance gehabt. Mir drehte es fast den Magen um. Ich begab mich mit meiner negativen Art von nun an immer mehr ins Elend. Fing an aufs Essen zu verzichten, wurde magersüchtig, ging wie immer mit Freunden am Wochenende in Diskotheken, feierte, hatte kurze Beziehungen, Bekanntschaften, lachte, scherzte und unter der Woche ging ich arbeiten. In einer anderen Nähfirma. Mein Ziel war es Managerin zu werden. Doch das Leben machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ich wurde nicht Managerin. Ich wurde etwas anderes ... doch noch lag es weit weg und ich konnte es noch nicht ertasten was es genau war. Es war weder spruchreif noch denkbar. An jenem Tag kündigte sich der Sommer an und inzwischen war ich fast über neun Jahre magersüchtig da veränderte sich mein Leben schlagartig. Denis,- eine "nette kleine Bekanntschaft" von Mary, einer Freundin aus Großbritannien die ich vom Urlaub mit Freunden her kannte - und gingen Bergsteigen. Denis hatte mich schlussendlich über kurz und gut Augenzwinkernd dazu überredet und ich hatte es verschmitzt lächelnd hingenommen. Der Tag neigte sich dem Ende zu, wir waren noch immer unterwegs und es war schon fast dunkel, die Bäume ringsum wirkten gespenstisch dunkel und es war sehr still geworden. Plötzlich fasste mich etwas am Hals und zog mich mit aller Macht auf den Erdboden hinunter. Ich stieß einen spitzen Schrei aus und zwei Hände krallten sich an meinem Kragen der teuren Marken Sportjacke fest für die ich ein ganzes Vermögen ausgeben hatte. Ich musste röcheln denn ich bekam keine Luft mehr und sah Sterne, dann wurde ich ohnmächtig. Als ich wieder aufwachte war Denis verschwunden und die Nacht verschluckte selbst die großen Bäume neben mir. Nebel zog über die spitzen Felsen. Erst jetzt bemerkte ich dass mein Rucksack mitsamt Geldbeutel und meinen goldenen Ohrringe, so wie meiner Sportjacke fehlten. An meiner Stirn klebte eine kleine tiefe Wunde welche vom Aufprall auf den Stein vorher stark blutete. Wo war Denis? Denis der mich gerade beklaut hatte.


- Paar Jahre später.


Warum ich krank geworden war wusste ich nicht. Mein Hausarzt hatte mich wegen der krankhaften Schlafstörungen und der Magersucht in eine Therapie in ein Krankenhaus geschickt. Erst einige Jahre später wo ich wieder normal essen konnte, die Schlafstörungen einigermaßen wieder im Griff hatte indem ich jeden Tag eine Stunde schwimmen ging noch eine halbe Stunde spazieren und arbeiten ging, mich gesund ernährte, besser schlief und eine ganz andere Lebenseinstellung entwickelte und besser gelaunt war traf ich an jenem Tag im angehendem Herbst Pieter wieder. Er stand am Weiher und starrte Gedanken versunken aufs Wasser. Das Laub raschelte unter meinen Füßen als ich mich näherte und mich dann kurz entschlossen abwenden wollte. Doch er hatte mich bereits bemerkt. "Hallo", sagte er freundlich und nickte ein wenig desinteressiert doch dann weiteten sich seine Pupillen und er starrte mich nochmals verwundert an. "Kenne ich Sie nicht?", fragte er. Im Wald gurrten Tauben und die Sonne tauchte den See in ein matt goldenes Licht. Pieter hob die Hand über die zugekniffenen Augen und sah mich an. "Ja", sagte ich und grinste. "Ich kenne Sie auch noch. Von der Fabrik. Der Nähfirma bei der ich damals gearbeitet hab." "Ja das stimmt", er lächelte kurz und schaute wieder aufs Wasser. "Lange ist's her" und sah mich an. In seinen Augen lag etwas anderes. Sie waren noch ernster geworden irgendwie etwas traurig. Sein Haar war noch immer weich und dunkelbraun und er war noch immer kräftig gebaut. "Sind ja inzwischen fast zwanzig Jahre." "Ja schon", er warf ein Kieselstein ins Wasser. Als es plätscherte wandte er sich um und sagte er müsse weiter. "Ich hoffe" sagte er während er mir in die Augen sah. "Sie mal wieder zu sehen", und verschwand in Richtung Wald. Lange sah ich ihm nach und als er schließlich verschwunden war wagte ich es zu weinen. Von nun an ging ich immer am Weiher vorbei spazieren in der Hoffnung ihn wieder zu sehen. Doch völlig unerwartet sah ich ihn nach knapp zwei Wochen später in der Stadt im Buchladen. Er stand an einem Bücherregal und schaute interessiert in ein Buch mit einem dunkelblauen Buchcover. Darauf stand in weißer Schrift; "Karma ist nur allzu beliebt." Ich lächelte kurz und ging an ihm vorüber. Hoffte innigst er würde mich bemerken. Ich ging an ein Regal und ließ den Blick über die vielen Bücher wandern. Erstaunt sah ich auf als jemand hinter mir sagte; "Hallo?" Ich drehte mich um und sah in Pieters lächelndes Gesicht. "Hallo", sagte ich. "Wie gehts dir?" wollte er wissen. "Gut und dir?" "Auch. Was liest du eigentlich gerne? "Einiges und du?" Erst jetzt fiel mir auf dass er mich duzte. Er sah mich nachdenklich an. Dann sagte er auf einmal Augenzwinkernd. "Komm mal mit. Ich zeige dir was es dort hinten für ein Buch gibt. " Ich folgte ihm. Er nahm das dunkelblaue Buch aus dem Regal und ich starrte es an. "Als ich es gerade wieder gesehen habe dachte ich an dich", sagte er und sah mir tief in die Augen. "Wirklich?" "Ja." Ich überlegte ob er es ernst meinte oder ob er mich nur wie all die anderen veräppeln würde, wie natürlich ich auch ich sie und zweifelte daran dass er mich ernst nahm. Wer sollte für mich denn Gefühle haben nach allem was ich getan hatte. Ich hatte gelogen, Beziehungen wegen einem bestimmten Zweck nur benutzt, hatte gehasst, geneidet und gewütet am Rande der innerlichen Verzweiflung meiner Unzufriedenheit, meiner Habgier nach Geld, Ruhm, Macht und Anerkennung und hatte alles jetzt spätestens bereut und doch glaubte ich nicht dass wieder je etwas schönes kommen würde, zu naiv war ich all die Jahre gewesen. Zu naiv um zu erkennen was ich mit mir selbst angerichtet hatte. Ich hatte doch schlussendlich nur mich selbst mit meiner schlechten Lebenseinstellung bestraft und ich konnte nicht erwarten dass wieder je etwas Gutes überhaupt kommen würde. Ich bereute alles und das was alles passiert war, die letzten vielen schlechten Jahre, Denis Diebstahl in den Bergen der Rückweg mit dem vielem Blut welches ich an dem Tag verloren hatte und hatte Denis angezeigt, bereute es mich je mit so vielen "Bekanntschaften" getroffen zu haben, Diskotheken am Wochenende, Alkohol, Magersucht, Hass, Wut, Neid, Missgunst, Unzufriedenheit und dass ich zu schwach gewesen war mich in jungen Jahren so verhalten wie meine Eltern und meine zwei Schwestern gewesen waren, die Anstand, Verstand und Ehrlichkeit besessen hatten und mich geliebt hatten doch ich hatte sie vergessen und hatte mich diesemLeben zugewandt, mich selbst mehr geliebt als alles andere und war zu schwach gewesen etwas anständiges aus meinem Leben zu machen wie meine Schwestern und Eltern. Doch zu meinen Eltern hatte ich vor kurzem Kontakt gefasst, nach über zehn Jahren und sie hatten sich sehr gefreut und mich willkommen geheißen, meine Schwestern waren inzwischen verheiratet und hatten Kinder. Elisabeth meine älteste Schwester war Ärztin, Helena Dozentin und wer war ich mit meinen vierzig? Ich Angelika? Doch auch aus mir würde noch etwas werden. Ich musste nur den Mut und all die Entschlossenheit aufbringen. Vielleicht war es gut gewesen dass alles so gekommen war wie die letzten Jahre. Vielleicht war es gut gewesen, so schlecht es auch klang dass solche schlechten Zeiten gekommen waren um dass ich endlich mal die Augen öffnen würde, wer ich war, was ich eigentlich wollte und was mir mein Leben überhaupt bedeutete. Es war nie zu spät für etwas. Man musste es nur wirklich wollen, egal wie alt oder jung man war. Pieter schaute mich an und sein fragendes Lächeln zog mich wieder zurück in die Realität. "Weißt du warum ich an dich bei dem Buch gedacht habe?", sagte er und zog erwartend die Augenbrauen hoch. Er kaufte das Buch sogleich und wir gingen hinaus. Die frische Luft und der sonnige Herbsttag waren wundervoll und auch Pieters Anwesenheit. Ich hatte mich noch nie so derart zufrieden wie jetzt gefühlt und beschloss von nun an ein zufriedener Mensch zu werden, mich nicht mehr mit anderen zu vergleichen, mich selbst zu sein und mich selbst so an zu nehmen wie ich war, zufrieden, mit all den Stärken die ich besaß, den Schwächen die ich noch verbessern würde und mich nicht mehr vor anderen zu verstellen nur weil ich mich nach Anerkennung sehnte, mich selbst zu mögen, zu schätzen, zu wissen wer ich war und was ich genau in meinem Leben wollte und das war ein zufriedener Mensch zu sein, kein Egoist und würde mich auch nicht mehr bestrafen mit meiner Unzufriedenheit und mit all jener Naivität und würde das Beste aus allem machen, egal was schlechtes kam, positiv denken und zu wissen dass ich es schaffen konnte weiter zu gehen, egal was kam, einfach weiter zu gehen. "Weil ich ausgerechnet dir wieder begegnet bin", sagte Pieter. "Damals beim arbeiten und jetzt auch wieder ", sagte er und sah mich an. Er drückte mir das Buch in die Hände. "Für dich. Behalte es. Ich hatte dich damals nicht sonderlich gern gehabt", gestand er. "Doch auch die Zeiten ändern sich", er sah mir in die Augen. "Die Ansichten und Werte und die Lebenseinstellungen. Diana hat mich verlassen und hat einen anderen Mann kennengelernt. Ich habe sie nie wieder gesehen und möchte es auch ehrlich gesagt nicht mehr. Wer einmal betrogen hat und kein schlechtes Gewissen hat, tut es wieder. Ich habe die Firma weitergeführt bis zu dem Tag an dem ich eine andere Fabrik gegründet habe. Eine, die bei Freiburg ist.""Und was zieht dich dann in diese Gegend?" "Meine Familie", sagte er traurig. "Mein Vater ist vor einer Woche gestorben. Er war sehr krank." "Oh." Mir ging das Buch welches ich noch in meinen Händen hielt nicht aus dem Kopf. Er hatte es noch immer nicht gesagt warum er deshalb ausgerechnet an mich gedacht hatte. Auf einmal bemerkte dass der Name des Schriftstellers Pieter Wagner war. Erstaunt sah ich erst das Buch dann Pieter an. "Hast du das Buch geschrieben?", fragte ich erstaunt. "Ja", er lächelte. "Das habe ich. Ich habe es geschrieben weil ich befürchte das es Karma gibt. Jeder der schlechtes austeilt bekommt es auch vielfach zurück. Wer gutes austeilt bekommt es mehr zurück als man denkt. Ich habe damit das Leben meines Bruders beschrieben. Er war ein sehr - großer und schlechter Egoist. Er ist", Pieter suchte nach Worten. "Früh an Selbstmord gestorben. Mit den Worten Karma und so weiter habe ich beschrieben dass er selbst "so zu sagen" über Leichen für seine Geldgier gegangen ist." "Und warum genau dachtest du bei deinem Buch jetzt an mich?" Unsere Blicke trafen sich. "Weil ich überlegt habe wer du jetzt genau bist ob du immer noch so bist wie früher und warum ausgerechnet du am Weiher vor ein paar Wochen gestanden hast. Man sieht sich also doch manchmal zweimal im Leben. Aber ich glaube dass du dich verändert hast. Sehr sogar", er musste lachen. "Wie bemerkst du das dass ich mich sehr verändert hab?" Er lächelte wieder. "Einem guten Beobachter eingeht so etwas nicht so leicht." Ich musste lachen und so kamen wir schließlich ins Gespräch und waren sehr lange ein nettes und zufriedenes Paar und ich hatte mein Studium in Jura beendet und arbeitete von nun an als Notarin. Wir lebten an einem kleinen See im Schwarzwald, respektierten, schätzten und waren nett zueinander.

1. November 2021 08:50:16 0 Bericht Einbetten Follow einer Story
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Das Ende

Über den Autor

Rebecca Wolff Rebecca Wolff ist in der schwäbischen Alb geboren, wohnhaft im Kreis Stuttgart. Schreiben ist ihr Hobby. Es ist wunderbar in die Welt des schreibens einzutauchen und auch zu lesen. Sie denkt gerne über den Sinn des Lebens nach, hinterfragt auch vieles. Ihre eBooks beschreiben meistens das Leben.

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